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AUSGANGSSITUATION
ANGABEN ZUM PATIENTEN
Alter

58 Jahre

Geschlecht

männlich

Raucher

nein

Anamnese

Allgemein-medizinisch gesund

Grund des Besuchs

Rezidivierender gelegentlicher Belastungsschmerz Oberkiefer rechts bei regelmäßiger systematischer Parodontaltherapie

Diagnose

Symptomatische apikale Parodontitis 17 bei schwerer chronisch generalisierter Parodontitis; Differenzialdiagnose: Paro-Endo-Läsion 17

Therapie

Endodontische Therapie an 17

Step 1

Die Zahnregion 16/17 wies blande Schleimhautverhältnisse auf. Eine geringe Perkussionsempfindlichkeit zeigte sich an 17 bei negativem Sensibilitätstest mit dem Kältespray. Es wurde bereits ein Jahr zuvor eine endodontische Therapie an 16 durchgeführt. Dieser Zahn stellte sich klinisch unauffällig dar. Die Sondierung an 17 ergab zirkulär erhöhte Messwerte von 4 – 5 mm. Röntgenologisch wurde eine apikale Radioluzenz an 17 erkannt. Vor Beginn einer endodontischen Therapie ist es oftmals hilfreich sich die zu erwartende zahntypspezifische Lage der Wurzelkanäle in okklusaler Ansicht zu vergegenwärtigen. Hierbei sollte stets auch nochmals die Zahnachse und die äußere Alveolarkontur miterfasst werden. Nach sorgfältiger Begutachtung der Wurzelanatomie anhand des Einzelzahnfilms wird schließlich die primäre Zugangskavität angelegt.

Step 2

Mit einer kurzen diamantierten Walze wurde ein ca. 4 mm tiefer primärer Zugang zum Pulpakavum mit den Begrenzungen der entsprechend vorher festgelegten Trepanationsöffnung präpariert. Dabei kann ein schrittweises Vorgehen hilfreich sein. Dies ermöglicht das Ausmaß der primären Zugangskavität zur Zahnhartsubstanzschonung anfänglich eher kleiner zu halten und nachträglich je nach genauer Lage der Wurzelkanaleingänge zu erweitern. Das Pulpakammerdach kann anschließend beispielsweise mit einem mittellangen Rosenbohrer (schnell rotierend ohne Wasserkühlung) mit dem Vorteil der direkten Sicht in die Kavität sukzessive abgetragen werden. In dem hier veranschaulichten Fall lag das mesio-bukkale Orifizium relativ weit bukkal, so dass die Zugangskavität mit einem Batt-Bohrer (mit nicht diamantierter Spitze) in diesen Bereich kontrolliert extendiert werden musste. Damit wurde ein möglichst geradliniger Zugang zum Wurzelkanal (mb1) sichergestellt. Es zeigte sich eine oftmals für obere Molaren charakteristische Fissur zwischen der zu erwartenden Lage der Orifizien von mb1 und mb2. Ein Dentinüberhang erschwerte das unmittelbare Sondieren dieses Areals.

Step 3

Die Kavität wurde auf Besonderheiten wie Dentikel auf dem Pulpakammerboden und Dentinüberhänge an den Übergängen zu den Kavitätenwänden geprüft. Nekrotisches Pulpagewebe konnte entfernt werden, die vorhandenen Orifizien wurden koronal erweitert und der geradlinige Zugang zum Wurzelkanal kontrolliert. Der mesiale Dentinüberhang des mb2-Areals wurde mit Langschaftrosenbohrern und teils ossizilierend mit einer geraden Hartmetallspitze (SONICflex Spitze) abgetragen, bis hier ein Orifizium mit einer K-Feile ISO 10 (21mm) sondiert werden konnte.

Step 4

Die koronale Erweiterung erfolgte mit einer 19mm langen maschinellen Hilfsfeile mit 9% Konizität. Diese erleichtert insbesondere bei sehr posteriorer Zahnlage und geringer Mundöffnung die Erweiterung der Orifizien, vor allem im oberen Wurzelkanaldrittel von mb1 und mb2 Arealen.

Step 5

Anschließend konnten nun weitere Wurzelkanalinstrumente möglichst geradlinig eingebracht werden und die Elektrometrie erfolgen. Die chemo-mechanische Präparation und Desinfektion des Wurzelkanalsystems wurde durchgeführt.

Step 6

Es erfolgte die warm-vertikale Obturation der vier Wurzelkanäle. Die röntgenologische Kontrolle zeigte eine soweit erkennbar homogene und wandständige Obturation im unteren Wurzelkanalanteil, allerdings mit geringfügiger Sealerextrusion in den Periapex.

Step 7

Der obere Wurzelkanalanteil konnte mittels Injektionstechnik von warmer Guttapercha bis zum Orifizium aufgefüllt werden. Das eingebrachte Material wurde mit Hilfe von Handpluggern aus Nickel-Titan kondensiert. Vor dem adhäsiven Verschluss der Zugangskavität wurde das Dentin mit Aluminiumoxid sandgestrahlt.

Step 8

Nach dem schrittenweisen Einbringen eines transluzenten Bulk-Fill-Komposits wurde die finale Okklusalfläche mit einem zahnfarbenen stopfbaren Komposit modelliert.

Zusammenfassung

Eine geringe Mundöffnung, eine posteriore Zahnposition oder kalzifizierte Wurzelkanalsysteme mit Hindernissen wie Dentikeln oder Dentinüberhängen erschweren die endodontische Therapie erheblich. Die Kenntnis der zahntypischen Lage der Wurzelkanäle schafft die Voraussetzung für die korrekte Ausdehnung der Zugangskavität, um schließlich einen möglichst geradlinigen Zugang zu den Wurzelkanälen zu erhalten. Gelegentlich muss das Ausmaß der Trepanationsöffnung überprüft und korrigiert werden, zum Beispiel bei schwer zugänglichen mesio-bukkalen Wurzelkanälen von oberen Molaren. In diesem Beitrag wurden praktische Tipps und mögliche Hilfsmittel für die mechanische Präparation vorgestellt. Parodontopathien können den Erfolg der endodontischen Therapie limitieren und müssen daher stets mitbehandelt werden.

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Condenser (Plugger) ISO Dovgan 35-45/04 NiTi

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Diamantierter Batt-Bohrer, konich mit unbelegter Spitze

Hersteller: Freie Universität Berlin

SONICflex paro Spitze Form 60 lang gerade

Hersteller: KaVo Dental GmbH

Protaper Shaping File SX, 19mm

Hersteller: Dentsply Sirona

RONDOflex plus 360

Hersteller: KaVo Dental GmbH

SDR flow +

Hersteller: Dentsply Sirona Deutschland GmbH

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Hersteller: 3M Deutschland GmbH

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