0,00 €
Zum Warenkorb
  • Quintessence Publishing Deutschland
Filter
1037 Aufrufe

Umprogrammierung der Wirtszellen – anfällig sind vor allem immungeschwächte Menschen

Humane Papillomviren sind nicht nur ursächlich für genitale Krebsarten und Kopf-Hals-Tumoren, sondern verursachen auch den weißen Hautkrebs. Immungeschwächte Menschen, beispielsweise Organtransplantat-Empfänger, sind hierbei besonders anfällig für die Entstehung solcher Tumoren. Die zellulären Vorgänge, die zur Tumorentwicklung führen, sind bis heute nur unvollständig verstanden. Die Arbeitsgruppe um Prof. Baki Akgül vom Institut für Virologie der Uniklinik Köln konnte nun im Rahmen eines von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Forschungsprojekts bislang unbekannte Mechanismen aufdecken, über die das Virus Einfluss auf infizierte Zellen nimmt, so eine Meldung auf idw online .

Humane Papillomviren (HPV) sind kleine Erreger, die sowohl die menschliche Schleimhaut, als auch verhornende Haut infizieren können. Dies kann sowohl zu gutartigen als auch bösartigen Veränderungen im infizierten Gewebe führen. Die HPV-Viren werden in Untergruppen eingeteilt. Für Krebsarten wie Gebärmutterhals- und Tonsillenkrebs (Mandelkrebs), ist der Zusammenhang zwischen einer Infektion mit HPV der sogenannten alpha-Gruppe bewiesen. Viren der beta-HPV-Gruppe sind sehr weit verbreitet und besiedeln die menschliche Haut schon in den ersten Wochen nach der Geburt. Beta-HPV werden durch das Immunsystem effizient in Schach gehalten, sodass die Virusvermehrung auf sehr niedrigem Niveau stattfindet und zu keinen klinischen Auswirkungen führt. In der Bevölkerung ist daher das Bewusstsein dafür, dass auch diese Untergruppe für die Entstehung von Hautkrebs verantwortlich sein kann, nicht sehr stark ausgeprägt.

Beta-HPV in natürlicher Hautflora vorhanden

Insbesondere bei Menschen, die ein Organtransplantat erhalten haben, und bei denen daher das Immunsystem dauerhaft unterdrückt werden muss, um eine Abstoßung des Spenderorgans zu verhindern, kommt es zu einer abnormalen Vermehrung von beta-HPV in der Haut. Dies begünstigt die Bildung von Hautkrebsvorstufen und somit letztlich auch die Entstehung von weißem Hautkrebs. Dies betrifft auch Personen, die an einer chronischen Immunschwäche leiden. Auf welche Weise die Viren die Krebsentstehung begünstigen, ist bis heute noch nicht im Detail verstanden.

Das Forscherteam um Baki Akgül nutzte für seine Untersuchungen 2-D-Zell-Kultursysteme, 3-D-Hautkulturmodelle und transgene Mäuse und konnte so zeigen, dass allein das Vorhandensein des viralen Proteins E7 ausreicht, um infizierte Hautstammzellen vermehrt in Krebsstammzellen umzuprogrammieren. Sie konnten molekulare Mechanismen aufdecken, durch die Virus-positive Zellen ihren Gewebeverband verlassen, in andere Gewebeschichten einwandern und krebszellartiges Verhalten entwickeln. Diesem Vorgang der Zellinvasion liegt einerseits die Fähigkeit des Proteins E7 zu Grunde, Zell-Zell-Kontakte von infizierten Hautzellen zu schwächen, was die Grundvoraussetzung für eine Ablösung aus dem Gewebeverband ist. Andererseits zeigte die Arbeitsgruppe eine Interaktion zwischen einer Familie von Zelloberflächenproteinen, den sogenannten Integrinen, und dem Bindegewebsprotein Fibronektin. Es gelang den Forschern nachzuweisen, dass diese gegenseitige Einflussnahme ebenfalls begünstigend für die Entstehung von Krebs ist.

Einfluss auf Genexpression

Des Weiteren konnten die Wissenschaftler zeigen, dass das Virus Einfluss auf die Genexpression infizierter Zellen nimmt. Es gelang ihnen zudem, einen völlig neuen Mechanismus aufzudecken, über den das Virus die Stabilität von wichtigen zellulären Proteinen beeinträchtigt, die bei der Zellteilung und der DNA-Reparatur eine tragende Rolle spielen. So konnten sie erstmalig eine Kooperation der viralen Proteine E6 und E7 belegen, welche offenbar gemeinsam Einfluss auf die Stabilität wichtiger zellulärer Regulatoren über den Protein-Abbauprozesses der Autophagie nehmen. Die Klärung weiterer tumorigener Mechanismen sind Gegenstand fortlaufender Forschung, ebenfalls gefördert durch die Wilhelm Sander-Stiftung. Diese Arbeiten sind eine zwingende Voraussetzung, Therapien und Impfansätze für HPV-verursachten weißen Hautkrebs zu entwickeln.

Das Titelbild zeigt die histologische Färbung eines HPV8-E7 induzierten Maushaut-Tumors. Vergrößerung 1:100. Bild: Baki Akgül, Köln
Quelle: Universität Köln Nachrichten Bunte Welt

Adblocker aktiv! Bitte nehmen Sie sich einen Moment ...

Unser System meldet, dass Sie eine aktive AdBlocker-Software verwenden, die verhindert dass alle Seiteninhalte geladen werden können.

Fair geht vor: Unsere Partner aus der Industrie tragen durch ihre Anzeigen einen maßgeblichen Teil zum Betreiben dieser Newsseite bei. Diese finden Sie in überschaubarer Anzahl auf der Startseite sowie den einzelnen Artikelseiten.

Bitte setzen Sie www.quintessence-publishing.com auf Ihre „AdBlocker Whitelist“ oder deaktivieren Ihre AdBlocker Software. Danke.

Weitere Nachrichten

  
27.09.2022

Holetschek: Lauterbach muss GKV-Gesetz rasch korrigieren

Gipfeltreffen des bayerischen Gesundheitsministers mit hochrangigen Vertretern des Gesundheitswesens in München
26.09.2022

Zahn- und Kieferfehlstellungen bei Kindern: Weder Über- noch Unterversorgung

Kieferorthopädisches Modul der DMS 6 zeigt realistisches Bild der Versorgungssituation bei acht- bis neunjährigen Kindern
26.09.2022

Kurz und knapp

Kurznachrichten und Informationen aus der (dentalen) Welt – September 2022
23.09.2022

Hilfe, damit in den Praxen nicht die Lichter ausgehen

Ärzte und Zahnärzte fordern Abfedern der finanziellen Mehrbelastung – ambulanter Bereich leidet unter hohen Kosten und Inflation
19.09.2022

Bundesrat: GKV-Spargesetz ändern – PAR-Therapie weiterhin ermöglichen

Länder fordern von der Bundesregierung Änderungen am GKV-Finanzstärkungsgesetz – KZBV begrüßt Empfehlung, Ärzte hoffen auf Beibehalten der Neupatientenregelung
15.09.2022

FVDZ fordert Verlässlichkeit für die Versorgung

Appell an den Bundesrat vor der Sitzung zum GKV-FinStG am 16. September 2022
15.09.2022

Orientierungswert für Vertragsärzte steigt nur um 2 Prozent

Kostensteigerung in den Praxen nicht berücksichtigt – KBV ist von Schiedsspruch enttäuscht und fordert Energiekostenausgleich
15.09.2022

Bundesverband Dentalhandel: Präsidium wieder vollständig

BVD-Präsident Jochen G. Linneweh: „Aufbruchstimmung zu spüren“