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Nach dem Staatsexamen zum Hilfseinsatz – Alexandra Juraszek und Julia Rahner berichten von ihrem Einsatz in der Dominikanischen Republik

Nachdem wir unser Studium und das Staatsexamen abgeschlossen hatten, stellten wir uns die Frage: „Was nun?“ Schnell stand für uns fest, dass wir die freie Zeit bis zur ersten Festanstellung nutzen wollten, um uns in einem zahnmedizinischen Hilfsprojekt zu engagieren.

Wir kontaktieren viele der offiziell eingetragenen Hilfsorganisationen und fanden schließlich bei Tobias Bauer von DIANO genau das, was wir uns vorgestellt hatten. Nach vielen E-Mails und einigen Telefonaten standen die Eckdaten fest und die Flüge waren gebucht. Ende März 2019 würden wir für drei Wochen in die Dominikanische Republik nach San Pedro fliegen.

Tobias erklärte uns, dass wir in einer kleinen Wohnsiedlung, dem Batey Margerita, die Möglichkeit hätten, in der ortsansässigen Kirche eine mobile zahnmedizinische Station aufzubauen. Alle notwendigen Materialien und Instrumente wurden bereits im Vorfeld organisiert und stünden vor Ort bereit.

Mischung aus Vorfreude, Neugier und Ängsten

Für uns beide war dies der erste Auslandseinsatz. Es war ein komisches Gefühl, nicht einschätzen zu können, was auf uns zukommt. In die Vorfreude und Neugier auf das Projekt, mischten sich auch Sorgen und Ängste. Bisher waren wir es aus dem Studium gewohnt, stets auf die Unterstützung des Assistenzarztes zählen zu können. Würde uns das eigenständige Behandeln, bei dem wir zum ersten Mal ganz auf uns selbst gestellt sein würden, überfordern? Da wir beide kein Spanisch und nur sehr wenig Französisch sprachen, sorgten wir uns, ob die Sprachbarriere ein Problem sein würde.

In San Pedro angekommen, trafen wir uns mit zwei anderen Freiwilligen von DIANO, die bereits zwei Wochen im Freiwilligendienst tätig gewesen waren. Sie erklärten uns den Arbeitsablauf und wir waren froh, dass die beiden während unserer ersten Tage im Batey Margerita dabei sein würden, um uns alles zu erklären.

Wohnort für die Feldarbeiter

Das Batey liegt ca. eine halbe Stunde außerhalb von San Pedro, inmitten von Plantagen: Weit und breit nur Zuckerrohr, soweit das Auge reicht! Die Bateys sind hauptsächlich Wohnort für die vielen Feldarbeiter. Die Menschen im Batey sind gezwungen, ein sehr einfaches Leben zu führen. Für die medizinische Grundversorgung gab es dort zwei Ärzte.

Wir merkten jedoch schnell, dass es auch im zahnmedizinischen Bereich großen Bedarf und einiges an Arbeit gab. Fast jeden Morgen wartete bei unserer Ankunft bereits eine große Gruppe Patienten vor der Kirche. Die Möglichkeit einer zahnmedizinischen Behandlung hatte sich schnell herumgesprochen und lockte selbst Menschen aus den weiter entfernten Bateys an.

Mit freiwilligen Dolmetschern, Übung und Google Translate

Eine der Freiwilligen sprach fließend Spanisch und fungierte während unserer ersten Arbeitstage häufig als Dolmetscherin. In Vorbereitung auf die Zeit, in der wir ohne einen Übersetzer auskommen mussten, lernten wir hochmotiviert jeden Abend Spanisch. Wir waren überrascht, wie schnell wir, angespornt durch unsere Arbeit im Batey, unsere Spanischkenntnisse erweitern konnten. Für schwierigere Sachverhalte nutzten wir Google Translate.

Der Schwerpunkt unserer Behandlung lag auf Füllungen und Extraktionen. Es gab sehr selten Patienten, die wir aufgrund unserer eingeschränkten Möglichkeiten nicht im Batey behandeln konnten. Diese Patienten leiteten wir an die Universität von San Pedro weiter.

Schnell mehr Sicherheit und Selbstvertrauen gewonnen

Unsere anfänglichen Unsicherheiten und die Sorge, ohne einen erfahrenen Zahnarzt an unserer Seite behandeln zu müssen, waren bald verflogen. Wir lernten, dass es selbst für schwierige Fälle, die zunächst unlösbar erschienen, einen Behandlungsweg gab. Eine wichtige Lektion war, dass wir auch bei schwierigen Extraktionen und Füllungen nicht aufgeben oder um Hilfe bitten konnten. Wir merkten, dass durch dieses selbstständige Arbeiten unser Selbstvertrauen wuchs und mit jedem Patienten neue Erkenntnisse und Lernerfolge kamen.

Im Team gegenseitig unterstützt

Das Arbeiten im Team hat uns oft sehr geholfen. Wenn einem von uns bei langwierigen und schweißtreibenden Extraktionen bei 30 Grad Celsius im Schatten die Kräfte ausgingen, konnten wir uns gegenseitig unterstützen. Auch war es manches Mal von Vorteil, sich über Fälle auszutauschen und gemeinsam Behandlungsoptionen abzuwägen.


Julia (vorne links) und Alexandra (stehend) mit einer Schulklasse

Eines Morgens saß eine komplette Schulklasse im Wartebereich: In Fließbandarbeit untersuchten wir die Kinder, erklärten Ihnen, an welchen Stellen sie besser putzen müssten, fluoridierten und verteilten Zahnpasta. Nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei den meisten Erwachsenen war mangelhafte orale Hygiene ein Problem. Wir hätten uns gewünscht, mehr Zeit für Aufklärung und Mundhygieneübungen aufwenden zu können. Aufgrund der großen Menge an Schmerzpatienten und dringlichen Fällen kam dieser Aspekt leider viel zu kurz.

Mit einer größeren Gruppe zurückkommen

Wir hoffen, dass wir in Deutschland eine größere Gruppe organisieren können, mit der wir noch einmal zurückkommen können. Denn der scheinbar endlose Strom an Patienten und die positive Resonanz der Einheimischen auf unsere Arbeit waren motivierend und bestärkten uns darin, etwas sehr Sinnvolles zu tun.

Abseits von der Arbeit im Batey fanden wir auch Zeit, um an den Strand zu gehen, viele einheimische Gerichte zu probieren und San Pedro und die Umgebung zu entdecken. An einem Tag zeigten uns einheimische Studenten die Universität von San Pedro und erzählten uns von ihrem Zahnmedizinstudium.

Durch das Projekt mit DIANO konnten wir Erfahrungen machen, die uns ein Leben lang begleiten werden. Vielen Dank an Tobias für diese Chance!

Alexandra Juraszek und Julia Rahner, Berlin

Mehr Informationen über DIANO gibt es auf der Facebook-Seite der Organisation, Kontakt unter E-Mail dental.aid.net@googlemail.com. Weitere nationale und internationale Hilfsprojekte und Möglichkeiten für Famulaturen und Auslandseinsätze bietet das „Handbuch Zahnärztliche Hilfsorganisationen #ichbindabei“, das zum Deutschen Zahnärztetag 2018 erstellt wurde und im November 2019 zum Wissenschaftlichen Kongress des Deutschen Zahnärztetags in einer erweiterten Neuauflage erscheinen wird.


Titelbild: Kirche im Batey Margerita, Dominikanische Republik (Foto: Juraszek/Rahner)
Quelle: DIANO Bunte Welt Menschen med.dent.magazin

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