0,00 €
Zum Warenkorb
  • Quintessence Publishing Deutschland
Filter
795 Aufrufe

Studie aus Marburg analysierte Impfstoffstudien und den umgekehrten Placeboeffekt

(c) Komsan Lonproom/shutterstock.com

Schmerzen, Fieber, Mattigkeit: Treten unerwünschte Nebenwirkungen nach einer Impfung gegen das Coronavirus auf, so liegt das nicht unbedingt am Impfstoff, sondern an einem umgekehrten Placeboeffekt. Das hat ein internationales Forschungsteam um den Marburger Psychologen Prof. Dr. Winfried Rief herausgefunden, indem es Impfstoffstudien analysierte. Das Team berichtet im Wissenschaftsmagazin „JAMA Network Open“ über seine Ergebnisse. 

Bei wissenschaftlichen Studien bekommen nicht alle Probanden den Wirkstoff verabreicht, der getestet werden soll – eine Kontrollgruppe erhält zum Vergleich eine harmlose Substanz, ein Placebo. „Unerwünschte Nebenwirkungen nach einer Placebobehandlung kommen in klinischen Arzneimittelstudien häufig vor“, schreibt das Autorenteam, das genau wissen wollte, wie stark diese Effekte sind. Denn die Sorge über unerwünschte Wirkungen sei ein Grund für die mangelnde Impfbereitschaft gegen das Coronavirus.

Originalveröffentlichung:
Julia W. Haas, Friederike L. Bender & al.: Frequency of Adverse Events in the Placebo Arms of COVID-19 Vaccine Trials: A Systematic Review and Meta-analysis, JAMA Network Open 2022, DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2021.43955


Die Forschungsgruppe wertete zwölf Artikel aus, die über unerwünschte Nebenwirkungen bei wissenschaftlichen Studien zu Impfstoffen gegen das Coronavirus berichten. An diesen Studien nahmen insgesamt 45.380 Probanden teil. 22.578 davon, also fast die Hälfte erhielt ein Placebo.

Nur geringfügig mehr Nebenwirkungen als in Placebogruppe

Trotzdem klagten 35 Prozent der Personen aus diesen Kontrollgruppen über Nebenwirkungen; bei denjenigen, die tatsächlich den Impfstoff erhielten, waren es nur wenig mehr, nämlich 46 Prozent.

Die eingebildeten Effekte machten dem zufolge nach der ersten Dosis fast drei Viertel der unerwünschten Nebenwirkungen aus, nach der zweiten Dosis waren es immer noch ein bisschen mehr als die Hälfte. Meist berichten die Betroffenen über Kopfschmerz und Müdigkeit. Die Fachleute sprechen von einem Nocebo-Effekt. „Das Ergebnis unserer Analyse sollte bei öffentlichen Impfprogrammen berücksichtigt werden“, empfehlen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Noch immer halten sich manche Grundüberzeugungen hartnäckig, etwa die Idee der Langzeitfolgen von Corona-Impfstoffen. Die Impfstoffe seien sehr neu, so das Argument, daher seien langfristige Nebenwirkungen noch nicht ausreichend untersucht. Doch die Grundannahme ist schon falsch, heißt es in einem Beitrag auf merkur.de zu den Stiko-Empfehlungen für Booster-Impfungen vom 21. Januar 2022: Erstens sind die Corona-Impfstoffe extrem gut untersucht. Weltweit seien demnach bereits laut Johns Hopkins University über acht Milliarden Impfdosen verabreicht worden. „Die Covid-19-Impfstoffe wurden in kürzester Zeit an viele Menschen weltweit verabreicht. Deshalb können sehr seltene Nebenwirkungen schneller als sonst erkannt und beurteilt werden“, erklärt die Stiko.

Zweitens gibt es Langzeit-Nebenwirkungen bei Impfstoffen generell nicht. Alle Folgen, die ein Impfstoff hat, treten wenige Stunden, Tage oder Wochen nach der Impfung auf. „Nebenwirkungen, die unerwartet und erst lange Zeit (etwa mehrere Jahre) nach der Impfung auftreten, sind bei noch keiner Impfung beobachtet worden“, so die Stiko. Eine unerwünschte Wirkung, die erst nach langer Zeit eintritt, muss also niemand befürchten.

Definiert man Langzeitfolgen hingegen als Wirkung, die lange anhält, sind diese bei Corona-Impfstoffen durchaus möglich. Eine erwünschte Langzeitfolge ist der lang anhaltende Schutz vor einer Corona-Infektion oder vor einem schweren Verlauf. Doch auch bei Covid-Impfungen können schwere Nebenwirkungen vorkommen. In sehr seltenen Fällen kann es beispielsweise zu Sinusvenen-Thrombosen oder einer Herzmuskelentzündung im Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung kommen. Diese treten kurz nach der Impfung auf, können aber langfristige Auswirkungen haben.

Im Grunde handelt es sich um eine Risikoabwägung. Das Risiko einer schwerwiegenden Nebenwirkung durch eine Impfung liegt bei etwa 0,02 Prozent. Die Gefahr für alle, die ungeimpft auf das Virus treffen, ist ungleich größer: Jeder Zehnte, der sich infiziert (10 Prozent), muss mit einem schweren Verlauf rechnen – Long-Covid-Symptome noch nicht eingerechnet.

 

 

 

 

Quelle: Universität Marburg Menschen Bunte Welt

Adblocker aktiv! Bitte nehmen Sie sich einen Moment ...

Unser System meldet, dass Sie eine aktive AdBlocker-Software verwenden, die verhindert dass alle Seiteninhalte geladen werden können.

Fair geht vor: Unsere Partner aus der Industrie tragen durch ihre Anzeigen einen maßgeblichen Teil zum Betreiben dieser Newsseite bei. Diese finden Sie in überschaubarer Anzahl auf der Startseite sowie den einzelnen Artikelseiten.

Bitte setzen Sie www.quintessence-publishing.com auf Ihre „AdBlocker Whitelist“ oder deaktivieren Ihre AdBlocker Software. Danke.

Weitere Nachrichten

  
29.09.2022

Flüchtlingslager Vial: Dental-EMT hilft und braucht Unterstützung

Ein Jahr mit dem Dental Emergency Team (Dental-EMT) unterwegs im Flüchtlingslager Vial auf der Insel Chios
26.09.2022

Kurz und knapp

Kurznachrichten und Informationen aus der (dentalen) Welt – September 2022
23.09.2022

Zahnmedizinische Gruppenprophylaxe bewahren

Tag der Zahngesundheit am 25. September 2022 befasst sich mit Prophylaxe in Kita und Schule
21.09.2022

„Man lernt schon in der Meisterschule, wie man sich bescheißt“

Jan Schünemann zu Gast in Folge #19 von „Dental Lab Inside – der Zahntechnik-Podcast“
21.09.2022

Bundesverdienstkreuz für Dr. Kerstin Finger

„Der Gesellschaft etwas zurückgeben“ – hohe Auszeichnung für Dentista-Mitglied
20.09.2022

Für einen zahngesunden Start ins Leben

Seit 10 Jahren erhält jedes Thüringer Baby einen Zahnärztlichen Kinderpass
19.09.2022

Zucker – die süße Verführung

Tipps der Stiftung Kindergesundheit zum klugen Umgang mit Süßigkeiten
19.09.2022

Pionier der digitalen Zahnmedizin: Dr. Klaus Wiedhahn überraschend gestorben

Eng mit Entwicklung und Vermittlung des Cerec-Systems verbunden – national und international als Referent und Autor aktiv