Unzählige Tote, vernichtete Ernten, verwüstete Regionen – erschütternde Nachrichten von HDZ-Partnern aus Zimbabwe

Die dramatischen Bilder gingen im März dieses Jahres um die Welt: „Idai“ lautet der Name des Wirbelsturms, der ganze Landesteile in Malawi, Zimbabwe und Mosambique unter Wasser setzte, unzählige Häuser zerstörte, Menschen und Tiere tötete sowie die Ernte eines ganzen Jahres wegfegte. Doch Nachrichten über Naturgewalten zu lesen ist noch etwas anderes, als Menschen zu kennen, die direkt betroffen sind.

Zu diesen Menschen zählen die Schwestern des Dominikaner-Ordens der Charles Lwanga Schule in Zimbabwe. Vor allem mit Schwester Ferrara Weinzierl pflegt das Hilfswerk Deutscher Zahnärzte, kurz HDZ, seit Jahren einen freundschaftlichen Kontakt, um gemeinsame Hilfsprojekte vor Ort zu organisieren. Nun berichtete die Ordensschwester in ihren E-Mails, wenige Tage nach der Katastrophe, wie sie und ihre Mitstreiter den Zyklon erlebt und überlebt haben.

Wasser- und Schlammmassen zerstören und töten

Die Umgebung der Charles Lwanga Schule hat es mit am heftigsten getroffen, schreibt sie: „Der heftige Regen machte die Erde zu Schlamm und riss die lockeren Felsen nahe der Schule mit den Wasser- und Schlammmassen einfach in die Tiefe“, so Sr. Ferrara. „Sie trafen mit voller Wucht auf Teile des Gebäudes und töteten dabei zwei Schüler. Zwei weitere Jungen wurden verschüttet, konnten aber gerettet werden.“

Sie berichtet auch davon, wie schlimm der Wind und der Regen waren und dass am Folgetag des Wirbelsturms der Nebel so dicht gewesen sei, dass die zu Hilfe kommenden Helikopter nichts sehen, geschweige denn landen konnten. „Pater Shepherd, der die Nachricht noch in der Nacht im Bischofshaus Mutare erhalten hatte, setzte sich sofort ins Auto und fuhr los“, berichtet sie. „Obwohl ihn am Weg ein Wagen mit Lichtern warnte, stoppte er nicht und fuhr direkt in den Fluss, wo die Brücke vollständig zerstört war. Er konnte gerade noch rückwärts fahren, sonst wäre er von den reißenden Fluten mitgerissen worden.“

Wege nicht passierbar

In der Schule erhielten die Studenten währenddessen die Nachricht, dass Busse auf sie warten würden, um sie zu evakuieren. Sie machten sich auf den beschwerlichen Weg zum vereinbarten Treffpunkt, ihre zwei toten Schulkameraden hatten sie in Tücher eingewickelt und auf provisorischen Bahren zum Tragen fixiert. Doch die Wege waren nicht passierbar. Immer wieder versperrten zerstörte Brücken und Straßen, tiefer Schlamm und Busch den Weg. Es dauerte ganze drei Tage, bis es ihnen gelang, das katholische Missionszentrum in Mutare zu erreichen.

Erschöpfte und traumatisierte Menschen

„Als am dritten Abend endlich alle sicher und behütet beim gemeinsamen beim Abendessen saßen, waren die sonst so lebhaften Buben deprimiert, still, erschöpft und völlig traumatisiert“, schreibt sie. „Ein anwesender Soldat erzählte, dass er mit seinem Helikopter im Schlamm nach Überlebenden gesucht hätte. Zuerst hätte er einen Baby-Arm gesehen und das tote Kind aus dem Schlamm gezogen, dann entdeckte er den Vater nahebei und hob beide Leichen in den Helikopter. Schließlich fand er auch die Mutter und ein etwa neun Jahre altes Mädchen. Der Zyclon hatte die ganze Familie ausgelöscht. Er weinte während er darüber sprach.“

HDZ startet Sofortspende und bittet um Unterstützung

Es sind Worte, die unter die Haut gehen und Situationen, die sich Menschen in Deutschland nicht wirklich vorstellen können. Unendlich weit weg scheint die Gefahr zu sein. Doch ist dies wirklich so? Der Klimawandel hat die Natur überall auf der Welt unberechenbarer gemacht. Erdbeben, Wirbelstürme, Flutwellen, Feuersbrünste – jeden von uns kann es treffen. Umso wichtiger ist es, denen zu helfen, die momentan betroffen sind. Dieser Meinung ist zumindest Dr. Klaus Winter vom HDZ. Daher hat die Stiftung eine Sofortspende in Höhe von 20.000 Euro für die Opfer des Zyklons Idai bereitgestellt.

Hilfen zum Wiederaufbau und zum Weiterleben

Weitere Spenden werden folgen – auch an die Charles Lwanga Schule von Schwester Ferrara. Denn nicht nur die Bewältigung der schlimmen Ereignisse wird die Schüler und Missionsteams noch lange beschäftigen. Die dringlichste Frage ist: Wie kann der Unterricht weitergehen, bis die Schule repariert ist?

Bis es eine Antwort darauf gibt, versuchen Sr. Ferrara und ihre Missionskollegen zu helfen, so gut es geht – mit Lebensmitteln, Kleidung und psychologischer Betreuung. Gerade erst hat es ein Treffen im Mutterhaus des Ordens gegeben, an dem 120 Schüler und ca. 80 Eltern teilgenommen haben. Sie sind eingeladen worden, um von 18 Psychologen beraten zu werden, wie sie die schrecklichen Ereignisse verarbeiten können. Dabei wurde ein15-jähriger Junge gefragt, wie er sich jetzt fühle, wo doch sein Klassenkamerad tot sei. Er antwortete: „Er war mein Freund und ich habe Fußball mit ihm gespielt.“ Darauf der Psychiater: „Und was denkst Du jetzt?“ – „Ich weiß jetzt, dass man jederzeit, in jedem Alter sterben kann.“

Yvonne Schubert

Spendenkonto


Das HDZ und die Bundeszahnärztekammer haben einen Hilfsaufruf für die Opfer des Sturms „Idai“ gestartet.


HilfswerkDeutscher Zahnärzte
Deutsche Apotheker- und Ärztebank
IBAN: DE28 300 60601 000 4444 000 BIC: DAAEDEDD
Stichwort: Zyklon Idai


Eine Spendenbescheinigung wird bei Adressangabe ausgestellt. Zur Steuerbegünstigung bis 200 Euro kann als vereinfachter Zuwendungsnachweis nach § 50 Abs. 2 EStDV der Kontoauszug vorgelegt werden. Das HDZ trägt aufgrund seiner Transparenz das Siegel der Initiative Transparente Zivilgesellschaft.


Titelbild: Lagebesprechung der Charles Lwanga School nach den tragischen Geschehnissen (Foto: Pidula news)
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