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Zahnärzte sehen Konkurrenz durch große investorengeführte MVZ – aktueller Versorgungsbericht 2022 der KZV Baden-Württemberg

(c) Artalis/Shutterstock.com

Die vertragszahnärztlichen Versorgungsstrukturen in Baden-Württemberg sind weiterhin landesweit gut: Wer eine zahnärztliche Behandlung benötigt, bekommt schnell und wohnortnah ein dem individuellen Bedarf entsprechendes Versorgungsangebot. Das zeigt der Versorgungsbericht 2022, den die Kassenzahnärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KZV BW) Ende Juli vorgelegt hat.

Der Bericht stellt transparent und übersichtlich die aktuellen Versorgungsdaten in den Stadt- und Landkreisen sowie in jeder Kommune in Baden-Württemberg dar und zeigt strukturelle Trends und Entwicklungen innerhalb des Berufsstands, etwa zu Praxisformen, zur Alters- und Geschlechterstruktur sowie zur Versorgung Pflegebedürftiger, auf.

Engmaschiges Netz von Zahnarztpraxen

„Die vertragszahnärztlichen Versorgungsstrukturen in Baden-Württemberg sind trotz Coronapandemie und der dadurch bedingten Verwerfungen stabil und die Bevölkerung findet ein engmaschiges Netz an Zahnarztpraxen vor“, so die Vorstände der KZV Baden-Württemberg, Dr. Ute Maier, Ass. jur. Christian Finster und Dipl.-Volkswirt Christoph Besters. Auf einen Blick liefert der neue Versorgungsbericht 2022 die zentralen Kennzahlen zur vertragszahnärztlichen Versorgung im Land. Die Versorgung der gesetzlich Versicherten wird sichergestellt durch 8.140 (2021: 8.113) Vertragszahnärztinnen und -zahnärzte in 5.067 (2021: 5.115) Praxen. Es gibt laut Bericht keinen einzigen Stadt- oder Landkreis, der unterversorgt oder von Unterversorgung bedroht ist.

1.362 Einwohner je Zahnarzt

Demgegenüber sei bei mehreren Landkreisen, die in den vergangenen Jahren einen verhältnismäßig niedrigen Versorgungsgrad aufzuweisen hatten, sogar ein Anstieg im Hinblick auf die zahnärztliche Versorgung feststellbar. Für ganz Baden-Württemberg ist laut Bericht das Betreuungsverhältnis weiterhin nahezu identisch geblieben: 1.362 (2021: 1.366) Einwohnerinnen und Einwohner kommen auf eine Zahnärztin oder einen Zahnarzt.

Ergebnisse der Befragung „Konkurrenz durch große MVZ“

Vielfach sei in den vergangenen Monaten über investorengetragene Medizinische Versorgungszentren (i-MVZ) berichtet, die auch im Bereich der zahnmedizinischen Versorgung immer größere Marktanteile beanspruchen, so die KZV BW. Auch im vergangenen Jahr habe die Zahl der MVZ im Land weiter zugenommen. Insgesamt bestehen derzeit 200 MVZ, davon 55 mit Beteiligung von Fremdinvestoren, heißt es. Der Fokus der Investoren in Baden-Württemberg liege nach wie vor auf den Ballungszentren, die ohnehin überdurchschnittlich hohe Versorgungsgrade aufweisen.

Zu einer möglichen Konkurrenz für die Zahnarztpraxen durch große MVZ hatte die KZV daher im Frühjahr 2022 ihre Mitglieder befragt. Über die „BeteiligungsApp“ der KZV BW haben insgesamt 530 Vertragszahnärztinnen und -zahnärzte aus Baden-Württemberg ihre Stimme zu diesem Thema abgegeben. Eine deutliche Mehrheit von 60,2 Prozent der Teilnehmenden sieht demnach eine Konkurrenz durch große MVZ. Auch berichten ca. 45 Prozent der Befragten, dass ihre Praxis bereits Patientinnen und Patienten an große MVZ verloren hat – vor allem in den Ballungszentren.

Abwanderung von Patienten und Personal

Aber auch das Thema Personalabwanderung zu den MVZ ist für die niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzte ein kritisches Thema, vor allem für jüngere Praxisinhaber. Dazu heißt es im Bericht: „Mit Blick auf das Praxispersonal ergibt sich folgendes Bild: Gut drei Viertel der Praxen haben demnach noch kein Personal an MVZ verloren. Auch hier zeigt die Analyse der Altersstruktur ein differenzierteres Bild: In den Altersgruppen der 26- bis 35-Jährigen sowie der 36- bis 45-Jährigen bejahen 30 Prozent der Teilnehmenden die Frage, ob die Praxis bereits Personal an MVZ verloren hat. Dieser Wert sinkt in der Altersgruppe 56 bis 65 Jahre auf 15,3 Prozent. Personalabwanderung ist somit vor allem für jüngere Zahnärztinnen/Zahnärzte ein Thema, während es für die ältere Generation weniger Bedeutung hat.“

Bei den Gründen für die Abwanderung von Personal werden das Gehalt von 17,7 Prozent, die Arbeitszeiten von 17,5 Prozent und die „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ von 7,5 Prozent der Teilnehmenden angegeben.

Eigeneinrichtungen der KZV sehen gut 50 Prozent positiv

Ob die KZV selbst mit den ihr verfügbaren Möglichkeiten Eigeneinrichtungen aufbauen sollte, wenn sich zu wenig niederlassungswillige Zahnärztinnen und Zahnärzte in einer Region finden, beurteilen die Teilnehmer an der Befragung unterschiedlich. Grundsätzlich gut findet das gut die Hälfte, Frauen befürworten es mit 60 Prozent stärker als ihre männlichen Kollegen, jüngere Zahnärztinnen und Zahnärzte sind eher dafür als ältere.

Frauenanteil wächst weiter

Was den Berufsnachwuchs angeht, stellen auch in Baden-Württemberg die Frauen die Mehrheit der Zahnmedizinstudierenden im Land – im Sommersemester 2021 studierten 1.316 Frauen und 626 Männer Zahnmedizin, bei den Erstsemestern waren es 103 Frauen und 41 Männer. 2021 gab es 143 Existenzgründungen – die Zahl ist seit 2019 erneut gestiegen –, davon 93 Übernahmen und 43 Neugründungen.

2022 waren 4598 Zahnärzte und 3.542 Zahnärztinnen Mitglied in der KZV BW, die Zahl der Männer nimmt leicht ab, die Zahl der Frauen stärker zu. In den Alterskohorten bis 45 Jahren stellen die Frauen die Mehrheit, erst in der Alterskohorte ab 46 Jahren sind die Männer in der Überzahl.

Zahl der angestellten Zahnärzte steigt

Bei den angestellten Vertragszahnärztinnen und Zahnärzten gehen die Zahlen weiter nach oben: Waren es 2021 „noch 2.244 angestellte Vertragszahnärztinnen und Vertragszahnärzte (AGZ) in Baden-Württemberg, so liegt deren Zahl aktuell bereits bei 2.346 von insgesamt 8.140 Vertragszahnärztinnen und Vertragszahnärzten. Dazu kommen 60 Zahnärztinnen/Zahnärzte, die neben ihrer eigenen Praxis als Angestellte in anderen Praxen arbeiten“, heißt es. Dabei sind die Frauen deutlich in der Mehrheit: 1.529 Frauen zu 817 Männern meldet die KZV BW zu den AGZ. Und diese Überzahl der Frauen zieht sich durch alle Altersgruppen.

Der Versorgungsbericht 2022 kann auf der Webseite der KZV BW heruntergeladen werden.

Quelle: KZV BW Politik med.dent.magazin

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