0,00 €
Zum Warenkorb
  • Quintessence Publishing Deutschland
Filter
3299 Aufrufe

Getrennte Ausbildung in Zahnmedizin und Humanmedizin bleibt vorerst – Bundesregierung wieder am Zug

Der Bundesrat hat am 7. Juni 2019 Änderungen an der zahnärztlichen Ausbildung zugestimmt. Jetzt liegt der Ball für die Novellierung der Approbationsordnung für Zahnärzte (AppOZ) aber wieder bei der Bundesregierung, denn die Bundesländer lehnen die beabsichtigte gemeinsame Ausbildung in den Studiengängen Zahnmedizin und Humanmedizin im vorklinischen Abschnitt mit ihrem Maßgabenbeschluss ab.

Damit bleibt es vorerst bei der getrennten Ausbildung von Zahn- und Humanmedizinern. Die Länder begründen ihre Ablehnung der Zusammenlegung beider vorklinischen Ausbildungen damit, dass eine solch grundlegende Reform auch die Weiterentwicklung der allgemeinen medizinischen Ausbildung umfassen sollte. Diese werde allerdings erst im Rahmen des Prozesses zum Masterplan Medizinstudium 2020 zwischen Bund und Ländern ausgehandelt. Das teilt der Bundesrat in einem Bericht zur Sitzung am 7. Juni 2019 mit.

Zahnärztliche Inhalte werden geändert

Damit ändert die aktuell beschlossene Verordnung nur die zahnärztlichen Inhalte der Approbationsordnung, die seit 1955 weitgehend unverändert gilt. Das Studium gliedert sich danach künftig in einen viersemestrigen vorklinischen und einen sechssemestrigen klinischen Studienabschnitt. Die ersten vier Semester enden mit dem „Ersten Abschnitt der Zahnärztlichen Prüfung“, die in der vorlesungsfreien Zeit stattfinden soll.

Ausbildung am Phantom und am Patienten

Der klinische Abschnitt besteht aus zwei Semestern anhand standardisierter Ausbildungssituationen „am Phantom“ und vier Semestern mit Ausbildung am Patienten. Auch hier folgen jeweils staatliche Prüfungen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt: In den Praxisteilen des Zahnmedizinstudiums soll das Zahlenverhältnis von Lehrenden zu Studierenden verbessert werden: im sogenannten Phantomkurs von 1:20 auf 1:15 und im Unterricht am Patienten von bisher 1:6 auf 1:3.

Bundesrat warnt vor reduzierten Studienplätzen

In einer begleitenden Entschließung warnt der Bundesrat jedoch davor, dass die kleineren Lerngruppen nicht zu einer verringerten Studienplatzkapazität führen dürfen. Schließlich sei der Versorgungsbedarf unverändert hoch. Insofern bittet er die Bundesregierung darum, diese Frage im Dialog mit den Ländern zu klären.

Änderungen bei den Ausbildungsinhalten

Ebenfalls Teil der Reform ist die Neugewichtung der bisherigen Ausbildungsinhalte sowie die Stärkung des Strahlenschutzes und der wissenschaftlichen Kompetenz der Studierenden. Letztere soll als Querschnittsfach eingeführt werden.

Fast 14 Jahre Tauziehen um die AppOZ

Der ursprüngliche Entwurf für die Novellierung der Approbationsordnung geht schon auf das Jahr 2005 zurück. Seitdem scheiterten alle Versuche, die Verordnung zur Novellierung umzusetzen, an den Bundesländern – meistens ging es um Geld, das die Länder für die Umsetzung der Novellierung aufbringen müssen. Auch die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Sommer 2017 neu eingebrachte Verordnung für die Novellierung wurde vom Bundesrat mehrfach von der Tagesordnung genommen. Spahn hatte bereits im Mai 2018 angekündigt, die Länderbildungsminister überzeugt zu haben, die Novellierung endlich umzusetzen. Zwischenzeitlich sah es so aus, als käme die Novellierung gar nicht mehr und Änderungen erst mit dem Masterplan Medizinstudium 2020.

Bundeszahnärztekammer begrüßt Novellierung


Dr. Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärztekammer (Foto: BZÄK/axentis.de)

Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) begrüßt, dass die völlig veraltete Approbationsordnung für Zahnärzte nun endlich modernisiert wird. „Die Verabschiedung der neuen Studienordnung ist dringend und längst überfällig. Dass die Aktualisierung der Approbationsordnung nach 64 Jahren nun zeitnah erfolgen soll, ist eine sehr gute Nachricht für die Zahnmedizin. Die Rahmenbedingungen für die Hochschulen entsprechen damit den aktuellen wissenschaftlichen Anforderungen“, so BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel.

Gleichwertigkeitsprüfung ebenfalls geklärt

Zugleich ist mit der Novelle die Gleichwertigkeitsprüfung für ausländische Zahnärzte geklärt worden. Denn die zahnärztliche Approbationsordnung regelt nicht nur die Studienbedingungen der Studierenden, sondern soll in ihrer Neufassung ebenso Verfahrensregeln für die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse definieren. Dies ist in der alten Version nicht enthalten.

„Wir danken Bayern und den weiteren beteiligten Bundesländern, die die Dringlichkeit erkannt und einen Kompromiss ausgearbeitet haben“, so Engel weiter. Einziger Wermutstropfen: Der verabschiedete Kompromiss besagt unter anderem, dass die Vorklinik von der Novelle ausgenommen ist. Die Bundeszahnärztekammer und mit ihr die 17 (Landes-)zahnärztekammern dringen nun darauf, dass die notwendigen Reformen des ersten Studienabschnitts in den Entwurf für den Masterplan Medizinstudium 2020 aufgenommen werden.

Bundesregierung wieder am Zug

Nun liegt es an der Bundesregierung, so der Bundesrat. Setze die Bundesregierung die Änderungen des Bundesrates um, könne sie die Verordnung im Bundesgesetzblatt verkünden und zum 1. Oktober 2020 in Kraft treten lassen. (Bundesrat.de/QN)

aktualisiert am 7. Juni 2019 um 14.55 Uhr

Reaktionen auf den Beschluss: VdZÄ-Dentista bedauert weiter getrennte Ausbildung in der Vorklinik

Titelbild: Photographee.eu/Shutterstock.com
Quelle: Quintessence News Politik

Adblocker aktiv! Bitte nehmen Sie sich einen Moment ...

Unser System meldet, dass Sie eine aktive AdBlocker-Software verwenden, die verhindert dass alle Seiteninhalte geladen werden können.

Fair geht vor: Unsere Partner aus der Industrie tragen durch ihre Anzeigen einen maßgeblichen Teil zum Betreiben dieser Newsseite bei. Diese finden Sie in überschaubarer Anzahl auf der Startseite sowie den einzelnen Artikelseiten.

Bitte setzen Sie www.quintessence-publishing.com auf Ihre „AdBlocker Whitelist“ oder deaktivieren Ihre AdBlocker Software. Danke.

Weitere Nachrichten

  
11.08.2022

Sachsen-Anhalt: 644 Protestschreiben der Zahnärzteschaft an Lauterbach

Vertragszahnärztliche Versorgung unter Druck – schon 300 Praxissitze verlorengegangen
09.08.2022

1.362 Einwohner je Zahnarzt – zahnmedizinische Versorgung stabil und engmaschig

Zahnärzte sehen Konkurrenz durch große investorengeführte MVZ – aktueller Versorgungsbericht 2022 der KZV Baden-Württemberg
09.08.2022

10 Jahre Forum Zahn- und Mundgesundheit

Politik verspricht Unterstützung bei Zahn- und Mundgesundheit als 9. Ziel im neuen Präventionsgesetz
08.08.2022

Anträge jetzt digital bei den Krankenkassen stellen

Elektronisches Beantragungs- und Genehmigungsverfahren – Kassen für Bearbeitung bereit, ab 2023 Pflicht
08.08.2022

Kurz und knapp

Kurznachrichten und Informationen aus der (dentalen) Welt – August 2022
04.08.2022

„Gematik darf sich nicht hinter Gesellschaftern verstecken!“

Diskussion um Alternativen zum Konnektortausch – KZBV positioniert sich nach der Gesellschafterversammlung am 2. August
03.08.2022

„Es kommt auf die persönliche Ansprache an“

Dr. Holger Seib, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, über sein Engagement und seine Erfahrungen in der Nachwuchsgewinnung für die Standespolitik und die Beteiligung von Frauen
02.08.2022

KBV will Konnektortausch erneut auf Gematik-Agenda setzen

Gesellschafterversammlung am 2. August 2022 – KBV hält an Forderung nach Neubewertung fest, DGMKG fordert TI-Moratorium