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Nicht nur beim Konnektorentausch wird mit Ressourcen verschwenderisch umgegangen – die Kolumne von Dr. Uwe Axel Richter

(c) Morten B/Shutterstock.com

Nachhaltig handeln – in Zeiten wie diesen ist das nicht nur eine Frage der Erkenntnis und damit des eigenen Wollens, sondern auch des gesellschaftlichen Müssens, entsprechend den Vorstellungen eines großen Teils unserer derzeitigen politischen Elite. Deren Vorstellungen haben ihren „offiziellen“ gedanklichen Überbau weitestgehend in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen, aber das soll an dieser Stelle nicht das Thema sein.

Nachhaltigkeit fängt vor der eigenen Nase an

Deshalb ein kurzer Blick auf eine etwas weiter gefasste Definition von Nachhaltigkeit, hier von Wikipedia: „Nachhaltigkeit ist ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung durch die Bewahrung der natürlichen Regenerationsfähigkeit der beteiligten Systeme gewährleistet werden soll. Im entsprechenden englischen Wort sustainable ist dieses Prinzip wörtlich erkennbar: to sustain im Sinne von ‚aushalten‚ beziehungsweise ‚ertragen‘“.

Nachhaltigkeit ist nicht nur Klimaschutz

Womit die entscheidenden Stichworte gegeben sind – beteiligte Systeme, Bewahrung deren Regenerationsfähigkeit und aushalten können. Abstrahiert könnte man auch formulieren – sich im und für das „System“ wertschätzend verhalten. Oder mit Augenmaß handeln. Oder beide Seiten betrachten. Oder, oder, oder … Gerade das Gesundheitswesen müsste hier mit gutem, will heißen gesundem Beispiel vorangehen. Leider ist das Gegenteil der Fall. Meistens weil vermeintliche, manchmal sogar tatsächliche gesetzliche und sonstige bürokratische Vorgaben dieses zu verhindern wissen. Oder weil die Entscheider – respektive Entscheiderinnen – samt Politik schlicht und einfach nicht wollen. Oder andere Ziele zu haben scheinen.

Alternativloser Austausch der Konnektoren zweifelhaft

Ein typisches Beispiel ist der anstehende Austausch von rund 130.000 Konnektoren in den Arztpraxen, auf den sich die Gematik und deren Gesellschafter bereits geeinigt hatten. Und dann das: Das IT-Magazin c’t meldete sich mit der steilen Ansage zu Wort, dass mitnichten die Konnektoren aufgrund ablaufender Sicherheitszertifikate ausgetauscht werden müssen. So könnten bei der KoCo-Box der CGM entgegen der Aussage des Herstellers die gSMC-K-Karten (gSMC = gerätespezifische Security Module Cards, K = Krypto-Co-Prozessor) samt Batterie problemlos ersetzt werden. Bei den beiden anderen Konnektor Herstellern, Rise und Secunet, würde sogar eine Zertifikatsverlängerung nur mittels Software ausreichend sein.

Lückenhafte Faktenlage?

Da fragt man sich schon, auf welcher Informationsbasis die Gesellschafter der Gematik im Februar dieses Jahres über das Austauschprogramm für die Konnektoren abgestimmt haben. Immerhin geht es um rund 300 Millionen Euro für den Austausch der Konnektoren, die beim nahenden Umstieg auf die TI 2.0 nicht mehr benötigt werden. Was nichts anderes bedeutet, als die doppelte Menge Elektroschrott zu erzeugen, abgesehen von den monströsen Kosten zu Lasten der GKV für ein totgerittenes Pferd.

Nachhaltige Mittelverwendung

Die bis dato in der TI 1.0 verbrannten Beträge sind in der Tat gigantisch – jenseits von 35 Milliarden Euro.  Doch statt zu sparen, geht es mit dem Verbrennen von Versichertengeldern munter weiter. Das Magazin c’t berechnete auch die Kosten für den physischen Austausch der drei SMC-K-Karten für die KoCo-Box auf Basis der CGM-Preise und kommt zu dem Schluss, dass abgesehen von den Austauschkosten vor Ort statt 1.585 Euro für die Hardware nur 30 Euro für die neuen Karten anfallen würden. Damit blieben zwei Drittel der prognostizierten Kosten von rund 300 Millionen im GKV System und stünden der Patientenversorgung zur Verfügung. Und da die GKV Erstattungen nicht kostendeckend für die Praxen sind (warum hat eigentlich die KBV dem Entscheid des Bundesschiedsamtes erst zugestimmt?), würden auch den Praxen erhebliche Kosten erspart werden.

Die Liste nicht nachhaltigen Wirtschaftens im Gesundheitswesen ist jedoch erheblich länger. Die zusätzliche Belastung der Systeme durch die Folgen von Bürokratie und wenig sinnvoller Anforderungen bleiben gemäß eingangs erwähnter Definition von Nachhaltigkeit eben nicht folgenlos, wie beispielhaft der „Brand“-Brief der Zahnärztekammer und der KZV Brandenburgs an den Ministerpräsidenten des Landes vom 18. Juli 2022 aufzeigt. Sagen wir es so: Nachhaltigkeit und Wertschätzung liegen dichter beieinander, als den Entscheidenden bewusst ist. Jedenfalls handeln sie konsequent dagegen.

Nachhaltige Verstimmung

Woran das liegt? An mangelnden Informationen jedenfalls nicht. Bekanntermaßen verdoppelt sich die Informationsmenge mittlerweile alle zwei Jahre. Da diese dank Internet fast unbeschränkt zur Verfügung steht, liegt es wohl an mangelndem Wissen. Oder anders formuliert: Es fehlt an der Erkenntnis.

Und die wird mittlerweile drastisch formuliert. So titelten die „Schleswiger Nachrichten“ über einem Interview mit dem KBV-Vorsitzenden Dr. Andreas Gassen: „Keine Millionen für sinnfreie Tests rausballern“. Gemeint war die Corona-Politik von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. Statt „Tests“ kann man auch undifferenzierte Boosterimpfungen, Impfstoffbestellmengen oder eben auch Konnektoren sagen. Oder Hygieneverordnung. Oder was immer Ihnen da noch einfällt.

Nachhaltigkeit muss immer ertragen werden.

Dr. Uwe Axel Richter, Fahrdorf


Foto: Verena Galias
Dr. med. Uwe Axel Richter (Jahrgang 1961) hat Medizin in Köln und Hamburg studiert. Sein Weg in die Medienwelt startete beim „Hamburger Abendblatt“, danach ging es in die Fachpublizistik. Er sammelte seine publizistischen Erfahrungen als Blattmacher, Ressortleiter, stellvertretender Chefredakteur und Chefredakteur ebenso wie als Herausgeber, Verleger und Geschäftsführer. Zuletzt als Chefredakteur der „Zahnärztlichen Mitteilungen“ in Berlin tätig, verfolgt er nun aus dem hohen Norden die Entwicklungen im deutschen Gesundheitswesen – gewohnt kritisch und bisweilen bissig. Kontakt zum Autor unter uweaxel.richter@gmx.net.

Quelle: Quintessence News Politik Telematikinfrastruktur

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