436 Aufrufe

Politisches Chaos trifft auch Hilfsorganisationen – Mitarbeiter konnten evakuiert werden, Einsatz im Land bleibt

(c)DIANO/Tobias Bauer

Nach dem Mord am haitianischen Präsidenten Moïsi vor wenigen Tagen ist das von politischen Auseinandersetzungen und Naturkatastrophen gebeutelte Land wieder in die Schlagzeilen gerückt. Seit vielen Jahren engagieren sich Hilfsorganisationen aus Deutschland in Haiti, darunter auch Zahnärztinnen und Zahnärzte. Ein kurzer Bericht von Tobias Bauer zur Lage.

Dass der französischsprachige Teil der größten Karibikinsel Hispañola kein einfaches Terrain ist, wusste die zahnmedizinisch ausgerichtete Hilfsorganisation DIANO von Anfang an, schließlich begann ihr Einsatz in Haiti direkt nach dem verheerenden Erdbeben vor elf Jahren. Bereits zum dritten Mal musste man sich nun in schwierigen Zeiten um die eigenen Helfer im Land kümmern, nachdem es seit drei Jahren immer riskanter wurde, in das schwer gebeutelte Land einzureisen. Zum Glück sind alle wohlbehalten wieder an ihren Heimatorten angekommen. Die Sorge um die Freunde und Kontakte im Land aber bleibt.

Kaum eine Reise konnte ohne das berühmte ungute Bauchgefühl angetreten werden – wobei die gutgemeinten Ratschläge und Hinweise vom persönlichen Umfeld stets drastischer waren, als die Lage vor Ort, wie sie die Einsatzkräfte selbst empfunden haben. Denn kaum war man im Land, immer von einheimischen Helfern und Partnern umgeben, fühlte sich niemand direkt bedroht.

Großes Interesse an Zusammenarbeit

Erst im Mai dieses Jahres war eine Gruppe aus Deutschland in Haiti und konnte sich vor Terminanfragen kaum retten. Es besteht ein großes Interesse an einer Zusammenarbeit, vor allem von karitativen Einrichtungen, die auf internationale Unterstützung angewiesen sind. Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht der Aufbau von kleinen Zahnstationen in abgelegenen Gegenden, meist in unwegsamem Gelände.

 

Hilfe zur Selbsthilfe mit Partnern vor Ort

Hohe Priorität hat die Hilfe zur Selbsthilfe, genauso wie der Gedanke der Nachhaltigkeit bei allen Projekten. Besonders am Herzen liegt der Organisation die Einführung von Ausbildungsberufen an bestehenden Einrichtungen, und zwar ganz besonders die zahnärztlichen Assistenzberufe. Hier hat man mit der katholischen Université Notre Dame d'Haïti (UNDH) einen zuverlässigen und sehr engagierten Partner gefunden.

Gerade die Verbesserung der Bildung ist extrem wichtig in einem Land, in dem sich der Staat aus seinen Verpflichtungen bei der allgemeinen Schulbildung zurückgezogen hat! Nicht minder wichtig ist die Berufsausbildung, die den Menschen letztlich ein Einkommen verschafft, mit dem sie ihre Familie ernähren können.

Arbeit und Ausbildung für Frauen

Ein ganz wichtiger Aspekt dabei sind Arbeits- und Ausbildungsprogramme für Frauen, denn die Zahl der alleinerziehenden Mütter ist ähnlich wie in vielen anderen Entwicklungsländern auch in Haiti extrem hoch. Und genau an diese Menschen richtet sich das Angebot von DIANO zusammen mit den einheimischen Partnern.

 

Hilfe aus dem Ausland wichtiges Hoffnungszeichen

Trotz oder gerade wegen der schwierigen Lage und der großen politischen Ungewissheit wird das Hilfsprogramm für Haiti weitergeführt. In welchem Umfang das möglich ist, ist derzeit völlig ungewiss. Für die verzweifelten Menschen in Land ist es ein wichtiges Hoffnungszeichen, wenn Hilfe aus dem Ausland eintrifft. Derzeit herrscht gespenstische Ruhe im Land, derweil überschlagen sich die Nachrichten, wobei so manche Information mit Vorsicht zu genießen ist. Bleibt im Sinne der dort lebenden Menschen zu hoffen, dass es zu keinen Aufständen oder gar bürgerkriegsähnlichen Zuständen kommt, wie sie Haiti leider schon zu oft erlebt hat.

Tobias Bauer, Singen

Informationen über die Arbeit von DIANO gibt es auf der Facebookseite der Organisation.

 

med.dent.magazin Bunte Welt Nachrichten

Adblocker aktiv! Bitte nehmen Sie sich einen Moment ...

Unser System meldet, dass Sie eine aktive AdBlocker-Software verwenden, die verhindert dass alle Seiteninhalte geladen werden können.

Fair geht vor: Unsere Partner aus der Industrie tragen durch ihre Anzeigen einen maßgeblichen Teil zum Betreiben dieser Newsseite bei. Diese finden Sie in überschaubarer Anzahl auf der Startseite sowie den einzelnen Artikelseiten.

Bitte setzen Sie www.quintessence-publishing.com auf Ihre „AdBlocker Whitelist“ oder deaktivieren Ihre AdBlocker Software. Danke.

Weitere Nachrichten

  
02.08.2021

Das Verbandsdilemma, oder: Warum frischer Wind so schwierig ist

Neuer BZÄK-Vorstand stellt Weichen für Lobbyarbeit in komplexen Zeiten – die Kolumne von Dr. Uwe Axel Richter
23.07.2021

Interessante Fälle in der Implantologie gesucht

„Bego Clinical Case Award“ läuft in der 4. Runde – Einsendeschluss 31. März 2022
22.07.2021

DZOI: Wieder Abschlussgespräche Curriculum Implantologie

Modul 3 auf dem Weg zum Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie – neues Curriculum startet im Oktober
20.07.2021

Zahnmedizin studieren – länderübergreifend ähnliche Motive

Dissertation am Universitätsklinikum Ulm zur Motivation für ein Zahnmedizin-Studium wird mit Hirschfeld-Tiburtius-Preis 2020 ausgezeichnet
19.07.2021

300, 600, 1.200 – oder doch 1.900 Krankenhäuser?

Hinter der Diskussion um die Zahl der Krankenhäuser steht eine Grundfrage nach der Zukunft der gesamten medizinischen Versorgung – die Kolumne von Dr. Uwe Axel Richter
15.07.2021

Erfolgreiche Ehemalige sind das beste Aushängeschild für das Studium

20 Jahre Studiengang Dentaltechnologie an der Hochschule Osnabrück – Absolventen in vielen Bereichen der Dentalwelt tätig
14.07.2021

„Erst grübeln, dann dübeln“

Erfolgreiche Nachwuchsarbeit – DGI beteiligte sich beim Dental Summer mit einem „Startup in die Implantologie“
14.07.2021

Aktuelle und klinisch höchst relevante Übersicht für die Zahnmedizin

Dr. David Donnermeyer zum Einsatz von Antibiotika und zum neuen Buch „Antibiotika in der Zahnmedizin“