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KZV Sachsen-Anhalt schreibt Stipendien für Zahnmedizinstudium im ungarischen Pécs aus – Bewerbungen bis 15. Februar 2022

In weniger als zehn Jahren werden in vielen Landkreisen in Sachsen-Anhalt Zahnärzte fehlen.

(c) Rainer Lesniewski/shutterstock.com

Um dem drohenden Zahnärztemangel im Land zu begegnen, wird die Kassenzahnärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt (KZV) – als erste KZV bundesweit – seit 2022 in jedem Jahr Stipendien für Studienplätze der Zahnmedizin in der ungarischen Stadt Pécs vergeben.
 

Dr. Jochen Schmidt, Vorstandsvorsitzender der KZV Sachsen-Anhalt
Dr. Jochen Schmidt, Vorstandsvorsitzender der KZV Sachsen-Anhalt
Foto: KZV Sachsen-Anhalt
„Wir möchten damit junge Menschen, insbesondere unsere Landeskinder, ansprechen, deren Berufswunsch Zahnärztin beziehungsweise Zahnarzt ist, die aber aufgrund der in Deutschland streng nach Numerus clausus geregelten Studienplatzvergabe kaum eine zeitnahe Chance auf einen Studienplatz haben“, sagt Dr. Jochen Schmidt, Vorstandsvorsitzender der KZV. Abiturientinnen und Abiturienten erhalten dadurch die Gelegenheit, auch ohne ein perfektes Abschlusszeugnis an einer der renommiertesten Hochschulen Ungarns Zahnmedizin – in deutschsprachigen Lehrveranstaltungen – zu studieren.

Bereits im Januar 2020 hatte Schmidt auf den drohenden Zahnärztemangel im Bundesland hingewiesen und eine Landzahnarztquote – vergleichbar den Modellen bei den Hausärzten – und auch mehr Studienplätze an der Universität Halle-Wittenberg gefordert.
 

Tätigkeit in Sachsen-Anhalt nach dem Studium

Die Förderung setzt unter anderem voraus, dass die Stipendiaten nach erfolgreichem Abschluss des Studiums als Zahnärztin oder Zahnarzt in Sachsen-Anhalt tätig werden. Bewerbungen für den Studienstart September 2022 können bis 15. Februar 2022 bei der KZV eingereicht werden.

  • Die KZV Sachsen-Anhalt bietet begabten und motivierten Studienwilligen die Möglichkeit, im ungarischen Pécs Zahnmedizin zu studieren – auch mit einem Notendurchschnitt im Abitur von bis zu 2,6 (9 Punkte).
  • Das Studium wird in Ungarn in deutscher Sprache absolviert und dauert zehn Semester.
  • Der Abschluss (Dr. med. dent) wird in Deutschland eins zu eins anerkannt.
  • Mit dem Stipendienprogramm fördern wir die Studierenden finanziell über die gesamte Studiendauer.
  • Im Gegenzug verpflichten sich die künftigen Studierenden, nach dem Studium für fünf Jahre als Zahnärztin oder Zahnarzt in Sachsen-Anhalt tätig zu sein.
  • Die Förderung umfasst die Übernahme der Studiengebühren der Universität Pécs (derzeit 7.720 Euro/Semester).
     

Mehr Informationen auf der Website der KZV Sachsen-Anhalt.

Hintergrund der Aktion ist der fehlende Nachwuchs: Von den niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzten, die heute in Sachsen-Anhalt in Ruhestand gehen, findet nur jede zweite/jeder zweite eine Nachfolge für die eigene Praxis. 50 Prozent der Praxen scheiden somit endgültig aus der Versorgungslandschaft aus – mit den entsprechenden Konsequenzen für das Praxispersonal und die Patientinnen und Patienten. Aufgrund der Altersstruktur der Zahnärztinnen und Zahnärzte in Sachsen-Anhalt wird dieses Missverhältnis in den kommenden Jahren noch dramatischer. In weniger als zehn Jahren werden von den circa 1.600 Zahnärztinnen und Zahnärzten im Land kaum mehr als 800 verbleiben.

KZV entwickelt Konzepte und kooperiert mit Kommunen

Dazu Dr. Schmidt: „Diese Vorausschau ist tatsächlich beunruhigend: Es gibt keine Region und keine Stadt im Land, in der die Zahl der praktizierenden Kolleginnen und Kollegen nicht deutlich zurückgehen wird. Die KZV entwickelt deswegen gegensteuernde Konzepte, kooperiert mit den einzelnen Kommunen im Land und bietet Förder- und Stipendienprogramme an.“

Bereits 2020 hat die Vertreterversammlung als oberstes Beschlussgremium der Vertragszahnärzteschaft in Sachsen-Anhalt den KZV-Vorstand mit der Bildung eines Strukturfonds zur Finanzierung von Fördermaßnahmen beauftragt. Dies ermöglicht der KZV, Förder- und Stipendienprogramme umzusetzen, die über den Strukturfonds – also mit paritätischer Beteiligung der Krankenkassen – finanziert werden sollen. Darüber hinaus haben bereits erste Kommunen signalisiert, nicht nur Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung durch eigenes Engagement umzusetzen, sondern diese auch finanziell mitzutragen.

Offener Brief an die Politik

Im Dezember 2021 appellierten die KZV und die Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt auch mit einem Offenen Brief an die zuständige Ministerin Petra Grimm-Benne appelliert, in Sachen zahnärztlicher Berufsnachwuchs endlich aktiv zu werden. Das Schreiben wurde dem Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt am 8. Dezember 2021 übermittelt. Auch die Kommunalen Spitzenverbände Sachsen-Anhalt hätten die Initiative von KZV und ZÄK zwischenzeitlich aufgegriffen und sich in einem eigenen Schreiben an die Ministerin gewandt, so die KZV.

Im Jahr 2030 ohne Nachwuchs nur noch 741 Zahnärzte im Land

Im Brief weisen die beiden Körperschaften noch einmal auf die schwierige Situation und ihre Lösungsansätze hin: „Von den heute an der vertragszahnärztlichen Versorgung teilnehmenden 1.599 Zahnmediziner:innen wird im Jahr 2030 – also in weniger als zehn Jahren – die Hälfte altersbedingt ausgeschieden sein. Sprich: Es verbleiben 741 Zahnärztinnen und Zahnärzte. Demgegenüber stehen an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg jährlich lediglich 40 Studienplätze zur Verfügung – viele davon aufgrund der hohen Anziehungskraft der modernen halleschen Zahnklinik besetzt mit Studierenden aus anderen Bundesländern, die nach dem Studium Sachsen-Anhalt leider wieder den Rücken kehren.“

Mehr Studienplätze, mehr Anreize

Bislang habe die Politik mit Verweis auf die noch ausreichende Versorgungslage ein Eingreifen abgelehnt. Mit Blick auf die sich abzeichnende Entwicklung müsse sie aber den im Koalitionsvertrag der neuen Regierung in Sachsen-Anhalt festgehaltenen Absichten zur Sicherstellung der zahnärztlichen Versorgung im Land auch Taten folgen lassen. Kammer und KZV weisen unter anderem auf die Landzahnarztquote, eine Ausweitung der Studienplatzzahl in Halle und weitere Anreize zur Niederlassungsförderung junger Zahnärztinnen und Zahnärzte im Land hin.

 

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