• Quintessence Publishing Deutschland
Filter
360 Aufrufe

Behandlung unter medizinischem Standard: ZÄK Nordrhein warnt vor gewerblichen Aligner-Start-ups

(c) Krakenimages.com/Shutterstock.com

Die Zahnärztekammer Nordrhein warnt vor Behandlungen mit transparenten Schienen bei gewerblichen Aligner-Start-ups. Viele Kunden von gewerblichen Aligner-Start-ups beschwerten sich über Komplikationen nach der Behandlung mit unsichtbaren Zahnschienen. Grund dafür sei die meist unzureichende zahnärztliche Betreuung – die zu teuren Nachbehandlungen oder gar Zahnverlust führen könne, so die Kammer.

Gerade Zähne für wenig Geld – mit diesem Versprechen werben Aligner-Start-ups in Castingshows oder Social Media um Kundschaft. Durch eine Fern-Behandlung mit Alignern (auch bekannt als unsichtbare Zahnschienen) könne jede Fehlstellung leicht korrigiert werden, so die Botschaft der Anbieter. Doch oft gehe dieses Versprechen nicht auf. Im Gegenteil. Kunden berichteten von Wunden im Zahnfleisch, starken Schmerzen im Kiefer und neuen Zahnlücken, so die Kammer weiter.

Kritische Berichte in den Medien

Dr.Ralf Hausweiler, Präsident der ZÄK Nordrhein
Dr.Ralf Hausweiler, Präsident der ZÄK Nordrhein
Foto: ZÄK Nordrhein
Denn der günstige Preis habe einen Haken: die Qualität. Eine zahnärztliche Betreuung findet in den meisten Fällen nicht statt. Nach der Anfertigung eines Gebiss-Scans in einer Partnerpraxis des Unternehmens werde der Behandlungsverlauf als Simulation am Computer errechnet. Etwaige Fortschritte werden nicht durch einen approbierten Zahnarzt kontrolliert, sondern vom Patienten mit der Selfie-Kamera seines Smartphones dokumentiert. „Was diese Unternehmen machen, hat nichts mit Zahnmedizin zu tun“, sagt Dr. Ralf Hausweiler, Präsident der Zahnärztekammer Nordrhein.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kam kürzlich ein Bericht des NDR-Formats „Markt“, in dem eine Kieferorthopädin die Behandlungspläne von Aligner-Start-ups analysierte – und dabei ein vernichtendes Urteil fällte: „Ich bin geschockt […], wie mit diesem sensiblen Kausystem und der Gesundheit von Menschen umgegangen wird.“

Aligner-Behandlungen sind keine Kosmetik

Denn bei den Zahnschienen handelt es sich nicht um Kosmetik, so die Kammer weiter. Bei Aligner-Behandlungen wirken enorme Kräfte auf den Kiefer, weshalb eine zahnärztliche Betreuung unerlässlich ist. „Folglich führt die Fernbehandlung der Aligner-Start-ups häufig zu Komplikationen: Zahnlücken tun sich auf, im schlimmsten Fall droht der Verlust einzelner Zähne. Um Schäden zu korrigieren, sind oft Nachbehandlungen bei Kieferorthopäden notwendig – mit Folgekosten von bis zu 10.000 Euro“, heißt es in der Presseinformation.

Kunden suchen Hilfe bei der Kammer

Viele der Kunden wenden sich dann an die Zahnärztekammer Nordrhein, die die Betroffenen bei der Überprüfung von vermuteten Behandlungsfehlern unterstützt. Gleichzeitig werden im Rahmen der Berufsaufsicht rechtliche Handlungsmöglichkeiten gegen die gewerblichen Aligner-Start-ups geprüft. Denn nach Auffassung der Zahnärztekammer Nordrhein darf das Angebot von zahnärztlichen Leistungen in dieser Form überhaupt nicht existieren.

Klare gesetzliche Vorgaben gefordert

„Wir benötigen klare gesetzliche Vorgaben auf Bundesebene, damit nicht berufsfremde Dritte Zahnheilkunde anbieten“, fordert Kammerpräsident Hausweiler, „denn Zahnheilkunde gehört nicht in einen Kiosk.“ Patienten sollten daher unter keinen Umständen ihre Zähne außerhalb der Verantwortung eines Zahnarztes oder Kieferorthopäden korrigieren lassen, so der Appell der Zahnärztekammer Nordrhein.

Im Juli 2021 hatte die Kammer auch ein Positionspapier zur Zulässigkeit der Zusammenarbeit zwischen Zahnärzten und gewerblichen Aligner-Anbietern veröffentlicht.

 

Quelle: ZÄK Nordrhein Patientenkommunikation Praxisführung Kieferorthopädie Politik Nachrichten

Adblocker aktiv! Bitte nehmen Sie sich einen Moment ...

Unser System meldet, dass Sie eine aktive AdBlocker-Software verwenden, die verhindert dass alle Seiteninhalte geladen werden können.

Fair geht vor: Unsere Partner aus der Industrie tragen durch ihre Anzeigen einen maßgeblichen Teil zum Betreiben dieser Newsseite bei. Diese finden Sie in überschaubarer Anzahl auf der Startseite sowie den einzelnen Artikelseiten.

Bitte setzen Sie www.quintessence-publishing.com auf Ihre „AdBlocker Whitelist“ oder deaktivieren Ihre AdBlocker Software. Danke.

Weitere Nachrichten

  
21.01.2022

Website-Service an neue Bedürfnisse angepasst

Dentaurum stattet seinen Service „create“ mit neuem Feature aus
18.01.2022

Ambulante Betreuung: Auseinandersetzung mit einem Phantom

5. DGAZ-Symposium am 11. März 2022 im Großen Hörsaal der Zahnklinik Uni Köln widmet sich der ambulanten Betreuung
14.01.2022

Ernährung in den ersten 1.000 Lebenstagen wichtig

Umfrage zur gesunden Ernährung von Kleinkindern: Wissensstand hängt auch von Schulbildung ab – PKV fördert Projekt
03.01.2022

Führt Rauchen zum Zahnverlust?

Motivationsstrategien und praktische Empfehlungen für das Patientengespräch in der Zahnarztpraxis
29.12.2021

Wie die richtige Zahnpflege vor Herzinfarkt & Co. schützen kann

Patientenratgeber der KZV Hessen informiert über Parodontitis und ihre Folgen: „Gesund beginnt im Mund“
20.12.2021

„Das mobile Impfen werden wir relativ kurzfristig organisieren können“

Impfeinsatz von Zahnärzten wird einen wichtigen Beitrag leisten können – Dr. Wolfgang Eßer, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, zum aktuellen Stand und noch zu klärenden Fragen
16.12.2021

Welche Mundspülung ist die Richtige für mich?

Im Angebot von One Drop Only findet jeder „seine Lösung“
08.12.2021

Spezialisierte, nachhaltige Lösungen für die Mundhygiene

Aktuelle Umfrage zeigt: Zahnärzte setzen auf TePe Interdentalbürsten