Michael Beckers, Vertriebsleiter bei NWD, über die Digitalisierung des Alltags in der Zahnarztpraxis

(c)Planmeca

Die Digitalisierung ist in aller Munde. In der Zahnmedizin durch die digitale Abformung im wahrsten Sinne des Wortes, was aber nur einen winzigen Teil des Themas abbildet. Michael Beckers, Vertriebsleiter beim Handels- und Dienstleistungsunternehmen NWD in Münster, spricht im Interview mit Quintessence News über den aktuellen Stand und die Möglichkeiten der umfassenden digitalen Zahnheilkunde.

Herr Beckers, fangen wir ganz vorne an: Was macht eine digitale Praxis aus?

Michael Beckers, Vertriebsleiter bei NWD
Michael Beckers, Vertriebsleiter bei NWD
(Foto: NWD)
Michael Beckers: Wir reden ja viel über die Digitalisierung in der Zahnmedizin. Ein Großteil hat schon stattgefunden. EDV und digitale Abrechnungs- und Kommunikationssysteme sind in einer Zahnarztpraxis schon Standard. Heute geht es vor allem darum, die digitalen Systeme sinnvoll und smart zu vernetzen. Die verschiedenen Systeme in der Praxis müssen miteinander kommunizieren, um einen einfachen Workflow für Behandler, Behandlerinnen und Team zu ermöglichen. Das ist sicher in mehr als 50 Prozent der Praxen nicht optimal gewährleistet.

Die Digitalisierung erfasst also zunehmend alle Praxisbereiche und erfolgt immer mehr vernetzt. Welche Rolle spielt hier die Software?

Beckers: Die Auswahl der passenden Software ist vor allem im Hinblick auf die Integration der Systeme grundlegend. Viele Systeme kommunizieren nicht fehlerfrei miteinander. Es kommt zu Störungen und das bedeutet Ausfälle. Deshalb ist die Auswahl einer Software, über die alle Systeme miteinander sprechen und kompatibel sind, essenziell.

Als Depot haben wir hier eine umfassende Marktübersicht. Mit der Romexis Software von Planmeca sind beispielsweise die wesentlichen Bereiche in der Zahnarztpraxis generisch abbildbar – vom Intraoralscanner über CAD/CAM-Systeme und Röntgen bis zur Behandlungseinheit. Und das alles über eine einzige Software mit einer intuitiven Bedienoberfläche. Außerdem ist die Software kompatibel mit den meisten gängigen Praxisverwaltungssoftwares.

DVT-Aufnahmen werden aktuell vor allem zur OP-Vorbereitung zum Beispiel in der Implantologie eingesetzt, finden aber immer häufiger auch in anderen Fachgebieten Anwendung. Was schätzen Sie, wie hoch ist der Anteil von DVT heute im Vergleich zu analogem Röntgen? Ist ein analoges Gerät heute noch eine echte Neuanschaffung?

Beckers: Digitales Röntgen kann man eigentlich schon als Standard bezeichnen. Allerdings arbeiten schätzungsweise 30 Prozent der Zahnärztinnen und Zahnärzte immer noch mit analogen Geräten. Dabei ist hier jedoch die Umweltbelastung durch Chemikalien und die entsprechende Entsorgung besonders hoch. Hinzu kommt, dass beim analogen Röntgen die Bilder erst entwickelt werden müssen und dementsprechend nicht sofort verfügbar sind.

Die DVT-Technologie hat in den vergangenen 15 Jahren eine starke Entwicklung gemacht. Durch die DVT-Aufnahmen wird die Befundung genauer und einfacher. Gleichzeitig habe ich ein höchstmögliches Maß an Sicherheit.

Vor allem in der Implantologie ist DVT ein wesentlicher Vorteil. Bei der Planung von Implantaten bieten das Erkennen von Knochenstrukturen, das Messen der Knochendichte und die präzise Vorhersage des Verlaufs des Nervus mandibularis ein Höchstmaß an Sicherheit und Behandlungserfolg. Auch das sichere Erkennen von Zahnfehlstellungen oder Wurzelentzündungen ist mit dieser Technologie möglich.

Digitalisierung bereichert die Arbeit der Zahnärzte mit wertvollen Tools

Die Digitalisierung bietet in der zahnmedizinischen Versorgung komplett neue Verfahren und Methoden. Was ist aktuell schon möglich? An welchen Stellen profitieren Zahnmedizinerinnen und Zahnmediziner in der Behandlung von der Digitalisierung?

Beckers: Die Digitalisierung unterstützt die Behandlung wesentlich, vor allem erhöht sie die Sicherheit in der Therapieplanung und den Behandlungserfolg. Gerade im Bereich der Röntgendiagnostik ist sie ein wesentlicher Faktor, um sichere Diagnosen stellen zu können. Je genauer und präziser die Aussagen sind, desto größer ist auch der Behandlungserfolg.

Die Digitalisierung bereichert die Arbeit der Zahnärzte mit wertvollen Tools: Angefangen beim Intraoralscanner, dem Matchen mit dem DVT, dem Erstellen des Behandlungsplans, der Bohrschablonenfertigung mittels 3-D-Druck – das alles ist nun digital abbildbar und ermöglicht einen komplett digitalen Workflow, der die Behandlung für den Zahnmediziner sicher, komfortabel und einfach macht.

Nicht außer Acht gelassen werden darf auch der Fakt, dass digitale Technologien oftmals viel angenehmer für die Patientinnen und Patienten sind. Nehmen wir hier nur einmal das Beispiel der digitalen Abformung mit einem Intraoralscanner im Gegensatz zur herkömmlichen Abformung mit dem Abformlöffel.

Die digitale Abformung ist die Grundlage für einen komplett digitalisierten Workflow. Die Behandlung im Sinne einer Single-Visit-Dentistry scheint aber noch Zukunftsmusik zu sein. In Deutschland setzten 2018 laut Atlas Dentalstudie gerade einmal 20 Prozent der Zahnarztpraxen Intraoralscanner ein.

Beckers: Die Tendenz zur Nutzung von Intraoralscannern ist bereits stark steigend und dafür gibt es gute Gründe: der höhere Patientenkomfort, die Genauigkeit und die Reproduzierbarkeit von Abformungen, die Zeit- und Kostenersparnis sowie die Reduktion möglicher Fehlerquellen.

Die Grundlage sind meiner Meinung nach offene Lösungen, die den Austausch und die Zusammenarbeit mit dem Zahntechniker ermöglichen und so eine Basis für die bestmögliche Versorgung und das bestmögliche Ergebnis für den Patienten und die Patientin bilden.

Smart und clever investieren

Zahnärztinnen und Zahnärzte investieren von Jahr zu Jahr mehr in die Gründung einer zahnärztlichen Einzelpraxis durch Übernahme. Im Jahr 2019 lagen die Investitionen laut ApoBank bei durchschnittlich 178.000 Euro für Umbau und Modernisierung, also auch für medizinisch-technisches Gerät, digitale Praxisverwaltung und -vernetzung. Welche Kosten muss man kalkulieren, wenn man auf digitale Geräte umstellen möchte?

Beckers: Mediziner haben einen hohen Investitionsbedarf und sollten smart und clever investieren. Einige Behandlungseinheiten ermöglichen links- und rechtshändiges Arbeiten. Individuelle Einstellungen können sogar per RFID-Chip abgerufen werden. Diese Technologie ist zum Beispiel beim finnischen Hersteller Planmeca Standard und vor allem für Praxen mit mehreren Behandelnden und unterschiedlichen Bedürfnissen äußerst komfortabel.

Bei der Planung einer Praxis kann man von Anfang an die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, die individuelle Anforderungen bestmöglich erfüllen. Wir als Depot wissen, was State of the Art ist.

Was ist denn ein typisches Set-up beim digitalen Umstieg?

Beckers: Der Vorteil moderner digitaler Geräte ist, dass sie aufeinander aufbauen. Eine Praxis benötigt also nicht das komplette Set-up auf einmal. Man kann ganz einfach stufenweise erweitern. Wichtig ist dabei nur, dass alle Geräte aufeinander abgestimmt sind. Ein OPG beginnt etwa bei 17.000 Euro und bietet die Möglichkeit, eine Praxis vorausschauend und einfach zu digitalisieren. Damit ist eine Basis vorhanden, auf der mittels Baukastensystem weitere Geräte – zum Beispiel ein Intraoralscanner – aufbauen können.

Immer mehr Geräte sammeln Daten und kommunizieren miteinander. Bergen diese Daten auch Potenzial im täglichen Betrieb der Praxen über die medizinische Sicht hinaus?

Beckers: Gerade für das Thema Betriebssicherheit hat das viele Vorteile für uns als Servicepartner im technischen Kundendienst. Moderne Geräte erkennen Fehler frühzeitig und kommunizieren diese auf Wunsch auch direkt an die Servicestelle. So werden Ausfallzeiten minimiert und Servicezeiten optimiert. Beispielsweise meldet die bereits erwähnte Romexis-Software Störungen auf Kundenwunsch hin direkt an die entsprechende technische Einsatzleitung, die dann proaktiv einen Termin vereinbart und so die Ausfallzeit auf ein Minimum reduziert. Ohne betriebswirtschaftliches Handeln geht es in einer Praxis heute nicht mehr. Ein Ausfall stört den Patientenstrom. Hier möchten wir als Dentaldepot unterstützen und betriebswirtschaftliches Handeln fördern.

Patienten schließen oft von Ausstattung auf Behandlungsqualität

Die Digitalisierung verändert das Arzt-Patient-Verhältnis. Vor allem lässt sie Patientinnen und Patienten mündiger und anspruchsvoller werden. Gleichzeitig werden Zahnarzt und Patient enger vernetzt, hört man mitunter floskelhaft – wie kann ich mir das genau vorstellen?

Beckers: Patienten sind heute besser informiert als früher. Doktor Google ist für viele selbstverständlich geworden. Viele Praxen gewinnen bereits mehr als die Hälfte ihrer Neupatientinnen und -patienten über ihre Website. Patienten schauen kritisch auf die Praxisausstattung und suchen bewusst Praxen mit modernem Equipment aus, weil sie von der Ausstattung auf die Behandlungsqualität schließen. 

Mit den digitalen Möglichkeiten, die sich heute bieten, können Zahnärztinnen und Zahnärzte geplante Maßnahmen der Behandlung besser erläutern und transparenter behandeln, was das Vertrauen der Patienten erhöht. Software und bildgebende Systeme ermöglichen es anhand digitaler Mock-ups, das Endergebnis bereits vor einer Behandlung zu sehen.

Auch in Zukunft geht für die genaue Befundung und eine Behandlung kein Weg am Praxisbesuch vorbei. Ihre Prognose für die Entwicklung der Technologien in den nächsten Jahren? Was wünschen sich Behandlerinnen und Behandler?

Beckers: Software wird bei der Diagnose – im Sinne von künstlicher Intelligenz – zunehmend unterstützen. Möglich wäre zum Beispiel, dass Röntgentechnik nach einer Aufnahme selbst eine Prädiagnose erstellt. Das steckt aber noch in den Kinderschuhen und befindet sich gerade in der klinischen Phase. Die digitale Entwicklung geht sicher weiter und sowohl die Zahnärzte als auch die Patienten werden hier ihren Nutzen haben.

Titelbild: Ansicht der Aufnahmen verschiedener bildgebender Verfahren in der Romexis-Software.

Digitale Zahnmedizin Praxisführung med.dent.magazin Praxis

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