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Bericht im Auftrag der EFP beleuchtet ökonomische Kosten – „Return on Invest“ ist bei konsequenter Vorbeugung und Behandlung der Gingivitis am höchsten

(c)Algirdas Gelazius/Shutterstock.com

Mit der Prävention von Parodontalerkrankungen, vor allem der Gingivitis, könnte nicht nur die Gesundheit der Bevölkerung verbessert werden, es ließen sich auch Milliarden sparen. Das zeigt ein aktueller Bericht im Auftrag der European Federation of Periodontology (EFP).

Es sei Zeit, Zahnfleischerkrankungen ernst zu nehmen, so der Titel des Berichts. Die ökonomischen Argumente für die Prävention und Behandlung von Zahnfleischerkrankungen werden darin von der „Economist Intelligence Unit“ dargelegt. Die umfassendste Analyse zu den wirtschaftlichen und menschlichen Belastungen von Zahnfleischerkrankungen in sechs westeuropäischen Ländern wurde von der Economist Intelligence Unit (EIU) (1) im Auftrag der European Federation of Periodontology (EFP) als unabhängige Studie erstellt. Finanziell unterstützt wurde die Arbeit von Oral-B.

Schwere Zahnfleischerkrankungen, auch Parodontitis genannt, betreffen etwa die Hälfte der Weltbevölkerung. Unbehandelt verursacht sie Zahnverlust und kann zu Schwierigkeiten beim Kauen, Sprechen und Lächeln führen. Darüber hinaus werden Zahnfleischerkrankungen mit fast 60 anderen Gesundheitsproblemen und Krankheiten in Verbindung gebracht, darunter Herzerkrankungen und Diabetes (2).

Literatur
1) The Economist Intelligence Unit. 2021. Time to take gum disease seriously: The societal and economic impact of periodontitis. London, The Economist Intelligence Unit.
2) Monsarrat P, Blaizot A, Kémoun P, et al. Clinical research activity in periodontal medicine: a systematic mapping of trial registers. J Clin Periodontol.2016;43:390–400.


Prävention und Behandlung scheinen zu stagnieren

Parodontitis ist durch gute Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Untersuchungen (Check-ups) weitgehend vermeidbar. Dennoch stellt der Bericht fest, dass in Westeuropa die Entwicklungen in der Prävention und Behandlung zu stagnieren scheinen. Die Prävalenz der Parodontitis ist in den vergangenen zehn Jahren weitgehend unverändert geblieben, und das Bewusstsein für die Krankheit ist in der Öffentlichkeit und bei den nicht zahnmedizinisch tätigen Personen gering. Das Dokument beschreibt eine Situation, in der viele Menschen nur dann einen Zahnarzt aufsuchen, wenn sie ein Problem haben, und regelmäßige Termine wegen der Kosten vermeiden.

 

Kernaussagen des neuen Berichts der EFP
Kernaussagen des neuen Berichts der EFP
Grafik: EFP/EIU

 

Wirtschaftliche Belastung und ROI

Nur wenige Studien haben die wirtschaftliche Belastung durch Parodontitis und den Return on Investment (ROI) der Behandlung modelliert, insbesondere über verschiedene Länder hinweg. Die Autoren entwickelten ein Modell, um den ROI der Prävention und Behandlung von Parodontitis zu untersuchen. Separate Modellierungen wurden für Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande, Spanien und Großbritannien durchgeführt.

EFP-Behandlungsrichtlinien als Messpunkte

Um die Auswirkungen von Prävention und Behandlung zu messen, verwendete das Modell die EFP-Behandlungsrichtlinien, die vier Interventionspunkte in der Progression von Gesundheit zu Gingivitis, nicht diagnostizierter Parodontitis und diagnostizierter Parodontitis umreißen. Die geschätzte aktuelle nationale Situation bestimmte die Anzahl der Personen, die in jeder Stufe des Modells zu finden sind.

Fünf Szenarien untersucht

Die Autoren modellierten den Übergang zwischen den verschiedenen Gesundheits- und Krankheitsstadien während eines Zehn-Jahres-Zeitraums anhand von fünf Szenarien: 1) Baseline: die aktuelle Präventions- und Behandlungssituation bleibt bestehen; 2) die Rate der behandelten Gingivitis fällt von 95 Prozent auf 10 Prozent; 3) inzidente Gingivitis wird durch verbesserte häusliche Mundpflege eliminiert (Parodontitis wird dadurch verhindert); 4) es wird keine Parodontitis behandelt; 5) 90 Prozent der Parodontitis wird diagnostiziert und behandelt.

Wichtiges Gingivitis-Management

Das Modell berechnete die Auswirkungen der einzelnen Szenarien auf die Gesamtkosten, den ROI und die Veränderung der gesunden Lebensjahre im Vergleich zur Baseline. Die Kosten für die Beibehaltung des Basisszenarios reichten von 18,7 Milliarden Euro in den Niederlanden bis zu 96,8 Milliarden Euro in Italien über zehn Jahre. In allen Ländern führte die Reduzierung des Gingivitis-Managements zu einer Verringerung der gesunden Lebensjahre und hatte einen negativen ROI. Die Beseitigung der Gingivitis führte in allen Ländern zu einem Anstieg der gesunden Lebensjahre, reduzierten Kosten und einem hohen ROI.

Behandlung führt trotz höherer Kosten zu positivem ROI

Kein Management der Parodontitis führte in allen Ländern zu einer Verringerung der gesunden Lebensjahre und einem negativen ROI. Die Diagnose und Behandlung von 90 Prozent der Parodontitis führte in allen Ländern zu einem Anstieg der gesunden Lebensjahre und trotz Kostensteigerung zu einem positiven ROI.

Gewinn an gesunden Lebensjahren durch Therapie

Die Autoren stellten fest, dass sowohl die Beseitigung der Gingivitis (der Vorstufe der Parodontitis) als auch die Erhöhung der Rate der Diagnose und Behandlung von Parodontitis auf 90 Prozent einen positiven ROI für alle Länder und einen Gewinn an gesunden Lebensjahren im Vergleich zu „business as usual“ zur Folge hatte. Die Vernachlässigung der Behandlung von Gingivitis hatte die gegenteiligen Auswirkungen. Sie forderten eine stärkere Betonung der Selbstfürsorge und Prävention auf individueller und gesellschaftlicher Ebene, einschließlich zahnärztlicher Betreuung in Kindergärten und Zahnputz-Workshops in Schulen.

Behandlungskosten beim Zahnarzt oft Hindernis

„Zahnarzttarife und die Kosten für den Zugang zu einem Zahnarzt sind für die Allgemeinheit ein Hindernis für eine frühzeitige Behandlung“, heißt es in dem Papier. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass die in dieser Analyse gezeigte Kosteneffektivität der Behandlung von Gingivitis und Parodontitis zeigt, dass die zahnmedizinischen Kosten eine Überprüfung durch europäische Entscheidungsträger und Kommissare verdienen.

Weitaus größter ROI aus der Prävention

Professor Iain Chapple, Mitglied des EFP-Workshop-Komitees, der den Bericht verfasst hat, sagte: „Es ist eine enorme Herausforderung, die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kosten einer komplexen Erkrankung wie Parodontitis zu bestimmen, weshalb wir eine unabhängige Expertengruppe wie die EIU brauchten, um diese Modellierung durchzuführen. Ihre Daten zeigen deutlich, dass der weitaus größte ROI aus der Prävention von Parodontitis resultiert, d.h. durch die Behandlung von Gingivitis, die traditionell als trivial angesehen und ignoriert wird, während die Behandlung auf die Parodontitis gerichtet ist – was natürlich zu spät ist.“

Gute Mundhygiene ein Schlüssel

Dr. Leslie Winston, Vice President, Global Oral Care Professional & Scientific Relations bei Procter & Gamble, die mit Oral-B den Bericht gesponsert haben, sagte: „Zahnerkrankungen, einschließlich Parodontitis, sind eine Belastung sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene. Glücklicherweise können sie durch die Erhaltung der Mundgesundheit verhindert werden. Schlüsselfaktoren sind die mechanische und chemische Plaquekontrolle, zum Beispiel die Verwendung einer elektrischen Zahnbürste mit einer antibakteriellen Fluoridzahnpasta und die Interdentalreinigung. Ein weiteres wichtiges Element ist der regelmäßige Besuch beim Zahnarzt, um sicherzustellen, dass alle aufkommenden Probleme behandelt werden, solange sie noch rückgängig gemacht werden können.“

Nutzen frühzeitiger Behandlung hervorgehoben

Die Verfasserin des Berichts, Professor Nicola West, Generalsekretärin der EFP, sagte: „Ich bin sehr erfreut über die von der EIU vorgelegte Analyse, die für die Akteure im Gesundheitswesen den Nutzen einer frühzeitigen Behandlung von Zahnfleischerkrankungen hervorhebt, um einen Gewinn an gesunden Lebensjahren zu erzielen, und die das Ziel der European Federation of Periodontology, die parodontale (Zahnfleisch)-Gesundheit für ein besseres Leben zu fördern, unterstützt.“

European Federation of Periodontology (EFP) – globaler Maßstab in der Parodontologie

Die European Federation of Periodontology (EFP) ist eine Non-Profit-Organisation, die sich der Förderung des Bewusstseins für die Wissenschaft der Parodontologie und der Bedeutung der Zahnfleischgesundheit verschrieben hat. Ihre Leitvision lautet „Parodontale Gesundheit für ein besseres Leben“. Die EFP wurde 1991 gegründet und ist ein Zusammenschluss von 37 nationalen parodontologischen Gesellschaften, die mehr als 16.000 Parodontologen, Zahnärzte, Forscher und Mundgesundheitsfachleute aus Europa und der ganzen Welt repräsentieren. Sie setzt sich für evidenzbasierte Wissenschaft im Bereich Parodontologie und Mundgesundheit ein und fördert Veranstaltungen und Kampagnen, die sich sowohl an Fachleute als auch an die Öffentlichkeit richten.

Die EFP organisiert die EuroPerio, den weltweit führenden Kongress für Parodontologie und Implantologie, sowie weitere wichtige Fach- und Expertenveranstaltungen wie die Perio Master Clinic und den Perio Workshop. Der jährliche Tag der Zahnfleischgesundheit am 12. Mai, der von der EFP und ihren Mitgliedsgesellschaften organisiert wird, bringt die wichtigsten Botschaften zur Zahnfleischgesundheit zu Millionen von Menschen auf der ganzen Welt. Die EFP organisiert auch Workshops und Aufklärungskampagnen mit ihren Partnern: Projekte haben den Zusammenhang zwischen Parodontalerkrankungen und Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Karies sowie die Mundgesundheit von Frauen während der Schwangerschaft behandelt.

Das „Journal of Clinical Periodontology“ der EFP ist die maßgebliche wissenschaftliche Publikation auf diesem Gebiet. Die Föderation veröffentlicht außerdem eine monatliche Zusammenfassung der Forschung (JCP Digest) und die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift „Perio Insight“, die Expertenmeinungen und Debatten bietet. Die Arbeit der EFP  in der Ausbildung ist ebenfalls von großer Bedeutung, insbesondere das akkreditierte Programm für die postgraduale Ausbildung in Parodontologie und Implantologie.

 

 

Quelle: EFP Parodontologie Prävention und Prophylaxe Praxisführung Zahnmedizin med.dent.magazin Wirtschaft

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