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Nachhaltige Stabilisierung trotz Corona – technischer Service, E-Commerce und Projektgeschäfte werden ausgebaut

Das Dentalhandelsunternehmen Pluradent wird in Eigenverwaltung uneingeschränkt fortgeführt und neu aufgestellt, heißt es in einer Pressemeldung des Unternehmens vom 4. Mai 2020. Am 1. Mai eröffnete das Amtsgericht Offenbach das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung über den größten deutschen Dentalhändler in Familienbesitz mit mehr als 800 Mitarbeitern allein in Deutschland.

In den nächsten Monaten will Pluradent vor allem den technischen Service, den Online-Handel und das Projektgeschäft ausbauen. Aktuell werden erste, vielversprechende Gespräche mit mehreren Interessenten geführt. Auch der Betrieb der zur Pluradent-Gruppe gehörenden GLS Logistik GmbH in Kassel, die mehr als 120 Mitarbeiter beschäftigt, läuft laut Meldung ohne Einschränkung weiter. Dieses Verfahren in Eigenverwaltung wurde vom Amtsgericht Kassel eröffnet.

Hervorragendes Engagement der Mitarbeiter

„Seit Anordnung der vorläufigen Eigenverwaltung am 25. Februar konnte das Unternehmen nachhaltig stabilisiert werden. Alle Mitarbeiter engagieren sich sehr, und sowohl Kunden als auch Lieferanten unterstützen die Sanierung. Die nicht absehbare Corona-Krise hat uns zwar auch hart getroffen, da der deutsche Dentalmarkt seit Februar um 50 Prozent eingebrochen ist. Im Vergleich zu Wettbewerbern, die Kurzarbeit anmelden mussten, sind unsere Umsätze deutlich weniger gesunken", so Sachwalterin RA Julia Kappel-Gnirs von hww (Hermann Wienberg Wilhelm), die im Auftrag des Amtsgerichts Offenbach die Eigenverwaltung von Pluradent überwacht (Pluradent hatte Ende Februar 2020 Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt, die Gehälter der Mitarbeiter sind nach der damaligen Meldung bis einschließlich April von der Arbeitsagentur übernommen worden. Mehr zum Insolvenzantrag des Unternehmens im Beitrag „Pluradent beantragt Insolvenz in Eigenverwaltung“. Anm. d. Red.).

Das hervorragende Engagement der Mitarbeiter betont auch die Sachwalterin der GLS Logistik, Rechtsanwältin Jutta Rüdlin von BRRS: „Nach den bisherigen Ergebnissen bin ich zuversichtlich, dass GLS und Pluradent während der Eigenverwaltung erfolgreich saniert werden. Bei GLS ist der Restrukturierungsbedarf überschaubar. Zwar übersteigt die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln und Schutzkleidung immer noch das Angebot, wir konnten aber neue Lieferanten gewinnen und verbessern die Situation.“

Komplette Digitallösungen

In den vergangenen Jahren habe sich der Dentalhandel durch Online-Anbieter, den Trend zu Großpraxen und den Einstieg von Finanzinvestoren stark verändert. Pluradent habe in der vorläufigen Eigenverwaltung ein neues Geschäftskonzept erarbeitet und werde sich nun als dentales Handels- und Dienstleistungsunternehmen neu aufstellen, heißt es. Alle Vertriebskanäle würden an das veränderte Kundenverhalten angepasst, der Onlineshop überarbeitet, die Sortimente gestrafft und die Eigenmarke Plusline gestärkt.

Mitarbeiter von Bauer & Reif wechseln zu Pluradent

Bis Anfang 2023 werde nur eine leichte Abnahme der Mitarbeiterzahl in der Gruppe erwartet, es seien Kürzungen in einigen administrativen Bereichen geplant. Der Bereich E-Commerce soll ausgebaut werden. Kurzfristig werden die Niederlassungen Bremen, Rostock, Stuttgart und Kempten geschlossen. Neue Vertriebsstützpunkte wurden in Erfurt und Neuss eröffnet. In Neuss habe sich jetzt ein Team von 20 Mitarbeitern des insolventen Dentalhändlers Bauer & Reif der Muttergesellschaft Pluradent angeschlossen. Aktuell lägen interessante Angebote von Investoren vor, heißt es weiter. „Wir nehmen jetzt detaillierte Gespräche mit Interessenten auf und erwarten weitere Angebote“, so Pluradent-Vorstand Dr. Gordon Geiser, Rechtsanwalt von GT Restructuring. Weitere Informationen unter www.pluradent.de.

Aktualisiert am 6. Mai 2020, 8.30 Uhr, um Informationen zum Insolvenzantrag von Ende Februar 2020.
Titelbild: Pluradent
Quelle: Pluradent Wirtschaft Nachrichten

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