0,00 €
Zum Warenkorb
  • Quintessence Publishing Deutschland
Filter
1303 Aufrufe

Blick ins Mikromilieu von Kopf-Hals-Tumoren dank neuer Methoden wie der Einzelzell-RNA Sequenzierung

Mehrfarbige Immunfluoreszenz von Tumor und Immunzellen im HNO Tumormikroklima.

(c) Ferris Lab, UPMC Hillman Cancer Center, University of Pittsburgh

Krebs der Schleimhäute im HNO-Bereich, also in Mundhöhle, Rachen oder Kehlkopf ist die sechsthäufigste Tumorerkrankung. Forschende der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg Essen (UDE) haben nun mithilfe einer neuen Technik HNO-Plattenepithelkarzinome untersucht, um das Milieu im Tumor besser zu verstehen. Sie möchten so Ursachen für die Krebsentstehung klären und bessere Früherkennungs- und Behandlungsmethoden entwickeln. Ihre Erkenntnisse sind in „Nature Communications“ veröffentlicht.

Früherkennung weiter verbessern

„Wir haben einzelne Zellen rund um Tumoren im Kopf-Hals-Bereich detailliert untersucht und daraus eine Art Atlas zusammengestellt“, erklärt Erstautor Cornelius Kürten, Clinician Scientist und Assistenzarzt der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Kopf- und Halschirurgie. Mithilfe der sogenannten Einzelzell-RNA-Sequenzierung haben die Wissenschaftler:innen zusammen mit Kooperationspartnern des UPMC Hillman Cancer Center in Pittsburgh festgestellt, welche Gene in den einzelnen Zellen aktiv sind. Diese neuartige Methode aus dem Bereich „big data“ ermöglicht es, das Tumormilieu gleichzeitig breit und detailliert zu charakterisieren: Es wurden mehr als 1.000 Gene pro Zelle in über 130.000 Zellen analysiert.

Heiße und kalte Tumoren

Diese Daten erlauben es, das komplexe Zusammenspiel zwischen Immunzellen, Zellen des Stützgewebes („Stroma“) und Tumorzellen nachzuvollziehen. So dienen die Daten auch als Basis für Forscher:innen weltweit, um ihre jeweils eigenen Hypothesen zu testen.
Die Forschungsteams aus Essen und Pittsburgh haben bereits vorgelegt: Sie fanden heraus, dass „heiße“ (also Immunzell-reiche) Tumoren nicht nur mehr Immunzellen haben als „kalte“ (Immunzell-arme) Tumoren, sondern die Immunzellen sich auch in ihrer Qualität unterschieden. Sie sind in heißen Tumoren aktiver und angriffslustiger und verbessern vermutlich die Prognose.

Ansätze für individualisierte Behandlungen

Ein weiterer Aspekt betrifft die Checkpoint-Rezeptoren, die bei einer Immuntherapie medikamentös blockiert werden, um die Zerstörung des Tumors zu fördern. Möglicherweise liegen sie nicht wie bislang vermutet hauptsächlich auf den Tumorzellen, sondern auf Makrophagen – Fresszellen –, die im Körper infizierte oder sterbende Zellen abbauen. „Wenn sich diese Hinweise bestätigen, könnte die Behandlung speziell auf die Makrophagen fokussiert und individualisiert werden“, so Prof. Dr. Stephan Lang, Koauthor der Studie und Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Kopf- und Halschirurgie. „Durch diese sehr detaillierte Charakterisierung aller Zellen des Tumors wollen wir weitere biologische Erkenntnisse gewinnen und außerdem Ansätze für neue Therapien oder Biomarker finden.“

Originalveröffentlichung:
Kürten CHL, Kulkarni A, Cillo AR et al. Investigating immune and non-immune cell interactions in head and neck tumors by single-cell RNA sequencing. Nat Commun 12, 7338 (2021). https://doi.org/10.1038/s41467-021-27619-4

Quelle: Universität Duisburg Essen (UDE) Chirurgie Nachrichten Bunte Welt

Adblocker aktiv! Bitte nehmen Sie sich einen Moment ...

Unser System meldet, dass Sie eine aktive AdBlocker-Software verwenden, die verhindert dass alle Seiteninhalte geladen werden können.

Fair geht vor: Unsere Partner aus der Industrie tragen durch ihre Anzeigen einen maßgeblichen Teil zum Betreiben dieser Newsseite bei. Diese finden Sie in überschaubarer Anzahl auf der Startseite sowie den einzelnen Artikelseiten.

Bitte setzen Sie www.quintessence-publishing.com auf Ihre „AdBlocker Whitelist“ oder deaktivieren Ihre AdBlocker Software. Danke.

Weitere Nachrichten

  
22. Feb. 2024

Langzeitstudie: Erneut keine Periimplantitis um zweiteiliges Implantatsystem

Neue Daten der Universität Graz nach 5 beziehungsweise 12 Jahren bestätigen klinische Performance des Patent Implantatsystems
20. Feb. 2024

„Leitlinien sind keine Überzeugungen“

Deutsche Gesellschaft für Implantologie im Zahn-, Mund- und Kieferbereich (DGI) legt international die erste S3-Leitlinie zu Keramikimplantaten vor
20. Feb. 2024

Vielfältiges Angebot an Weiterbildungsformaten

Mectron: Fortbildungen von Piezosurgery über Prophylaxe bis hin zur Blutentnahme und PRF
19. Feb. 2024

„Die schonende und vorausschauende Zahnentfernung ist eines meiner Herzensthemen“

Chirurgie und mehr für die allgemeinzahnärztliche Praxis – Dr. Dr. Anette Strunz zum Programm des Berliner Zahnärztetags „Cutting-Edge! Chirurgie in der Zahnmedizin“
15. Feb. 2024

25 Jahre Camlog – der Jubiläumskongress

Konsequent teamorientierte Firmenphilosophie – Feier in der Motorworld Village Metzingen
14. Feb. 2024

Antibiotikaverbrauch unter dem Niveau vor der Pandemie – aber immer noch zu hoch

Gefahr von Wirkungsverlust durch Lieferengpässe, Verbrauch in Tierhaltung und Resistenzen
14. Feb. 2024

Immunzellen stärken die Knochen

Neue Rolle Eosinophiler Granulozyten bei entzündlichem Knochenschwund entdeckt
5. Feb. 2024

Tiefergehende Einblicke in die Zahnmedizin

Beiträge insbesondere zu Oralchirurgie und Endodontie in der Quintessenz Zahnmedizin 2/2024