0,00 €
Zum Warenkorb
  • Quintessence Publishing Deutschland
Filter
1544 Aufrufe

Persönliche Verantwortung wird in Deutschland, Großbritannien und den USA hoch bewertet

Obwohl Experten für die weltweite Zunahme von stark übergewichtigen Menschen hauptsächlich veränderte Umweltbedingungen verantwortlich machen, gibt die breite Öffentlichkeit dem Einzelnen die Schuld an seinem Übergewicht. Ihrer Meinung nach sollten Betroffene resultierende medizinische Behandlungskosten deshalb selbst tragen. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung (Berlin) und der Universität Mannheim, die in der Fachzeitschrift Annals of Behavioral Medicine veröffentlicht wurde. Darüber hinaus werden Maßnahmen wie Lebensmittelkennzeichnung für wirksamer gehalten als zum Beispiel Steuern auf Zucker.

Fast ein Drittel der Weltbevölkerung ist übergewichtig. Wissenschaftler sprechen bereits von einer globalen Gesundheitskrise, und die Weltgesundheitsorganisation fordert beispielsweise eine 20-prozentige Zuckersteuer für Getränke. Denn Experten sind sich einig, dass für die Zunahme von Adipositas vor allem veränderte Umweltbedingungen verantwortlich sind. Menschen in Industrienationen ernähren sich heute weitaus kalorienreicher als früher, während sie sich gleichzeitig weniger bewegen. „Wir haben jahrhundertelang vom Schlaraffenland geträumt. Einem Land mit Essen im Überfluss, das uns ohne Anstrengung quasi in den Mund fliegt. Heute leben wir in einem modernen Schlaraffenland – doch das bringt neue Probleme mit sich“, sagt Jutta Mata, Professorin für Gesundheitspsychologie an der Universität Mannheim und assoziierte Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Politischen Maßnahmen wird nicht viel zugetraut

Die gesellschaftliche Unterstützung für politische Maßnahmen, die die Umweltbedingungen in den Fokus nehmen, ist bisher jedoch eher gering. Denn die meisten Menschen sehen die Schuld für starkes Übergewicht vorrangig beim Einzelnen. Dies zeigt eine Befragung von repräsentativen Bevölkerungsstichproben aus Deutschland, Großbritannien und den USA. Die Wissenschaftler wollten wissen, wen die Befragten für starkes Übergewicht verantwortlich machen, wer ihrer Meinung nach die Behandlungskosten zahlen sollte und welche politischen Maßnahmen als wirkungsvoll angesehen werden. Um die Ergebnisse besser einordnen zu können, stellten die Wissenschaftler dieselben Fragen zu Alkohol- und Tabakabhängigkeit. Diese Erkrankungen haben Ähnlichkeiten mit starkem Übergewichtund es wurden für sie bereits erfolgreich breite Präventions- und Interventionsmaßnahmen durchgeführt.

In allen drei Ländern machten die meisten Befragten den Einzelnen für Fettleibigkeit verantwortlich, genauso wie bei Süchten wie Alkohol- oder Tabakabhängigkeit. Generell gilt: Je höher die persönliche Verantwortung bewertet wurde, desto stärker befürworteten die Befragten, dass der Einzelne für seine Behandlungskosten selbst aufkommen sollte. In Deutschland und Großbritannien war ein gutes Drittel der Befragten dieser Meinung, in den USA waren es knapp 45 Prozent. Das Haushaltseinkommen der Befragten beeinflusste ihre Aussagen nicht.

Kennzeichnung statt neuer Steuern

Darüber hinaus schätzten die Befragten die Wirksamkeit politischer Maßnahmen zur Prävention von Adipositas – wie hohe Steuern, reglementierte Verfügbarkeit, regulierte Vermarktung und Bewerbung sowie Kennzeichnung und Warnungen – im Vergleich zur Wirksamkeit dieser Maßnahmen zur Prävention von Alkohol- und Tabakabhängigkeit ein. Insgesamt bewerteten sie politische Maßnahmen und Regelungen gegen die Verbreitung von starkem Übergewicht als weniger wirksam als die gegen Alkohol- und Tabakabhängigkeit. Darüber hinaus wurde eine hohe Besteuerung in allen drei Ländern als am wenigsten erfolgsversprechend bei der Bekämpfung von Adipositas angesehen, auch wenn dies bei der Bekämpfung von Alkohol- und Tabakabhängigkeit als effektiv eingeschätzt wird. Die wirksamste Maßnahme gegen Adipositas ist aus Sicht der Befragten eine verständliche Nährwertkennzeichnung auf Lebensmitteln. Solche Kennzeichnungen zielen vor allem auf die Essensentscheidungen des Einzelnen ab. Verständlichere Nährwertkennzeichnungen halten die meisten sogar für effektiver als deutliche Warnungen vor den Gesundheitsrisiken auf Alkohol- und Tabakprodukten.

„Eine Maßnahme zur Prävention von Adipositas, die aktuell schon eine breite Unterstützung in der Öffentlichkeit erhält, sind verständliche Nährwertkennzeichnungen. Sie können die Entscheidungskompetenz der Menschen stärken und wären leicht umsetzbar“, sagt Ralph Hertwig, Direktor des Forschungsbereichs „Adaptive Rationalität“ am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin.

Literatur


Mata, J. Hertwig, R. (2018). Public beliefs about obesity relative to other major health risks: Representative cross-sectional surveys in the USA, the UK, and Germany. Annals of Behavioral Medicine. Advance online publication. doi:10.1093/abm/kax003


Aufmacherbild: foodwatch (Fitnessprodukte im Ampeltest)
Quelle: idw online, mpib Menschen Prävention und Prophylaxe Patientenkommunikation

Adblocker aktiv! Bitte nehmen Sie sich einen Moment ...

Unser System meldet, dass Sie eine aktive AdBlocker-Software verwenden, die verhindert dass alle Seiteninhalte geladen werden können.

Fair geht vor: Unsere Partner aus der Industrie tragen durch ihre Anzeigen einen maßgeblichen Teil zum Betreiben dieser Newsseite bei. Diese finden Sie in überschaubarer Anzahl auf der Startseite sowie den einzelnen Artikelseiten.

Bitte setzen Sie www.quintessence-publishing.com auf Ihre „AdBlocker Whitelist“ oder deaktivieren Ihre AdBlocker Software. Danke.

Weitere Nachrichten

  
29. Feb. 2024

„Menschen, die miteinander arbeiten, müssen auch miteinander reden“

Dental Minds #11: Sybille David-Hebgen über die Folgen schlechter Kommunikation und wie sich Konflikte unter Kolleginnen und Kollegen lösen lassen
28. Feb. 2024

„Du bist als Chef dafür verantwortlich, dass der Vibe ein guter ist“

ZTM Gerrit Ehlert zu Gast in Folge #36 von „Dental Lab Inside – der Zahntechnik-Podcast“
28. Feb. 2024

Verfassungsorden für Zahnarzt mit mobilem Behandlungskonzept

Bayern zeichnet Dr. Volkmar Göbel und das Team von Dentagil für Versorgung nicht-mobiler Patienten aus
27. Feb. 2024

Kriebelmücken: Zunahme der Blutsauger in Deutschland erwartet

Stiche können allergische Reaktionen hervorrufen und infektionsauslösende Erreger übertragen
26. Feb. 2024

Kurz und knapp

Kurznachrichten und Informationen aus der (dentalen) Welt – Februar 2024
26. Feb. 2024

„Wir bauen unser Angebot, Aufträge remote abzuwickeln, kontinuierlich aus“

Mehr Service, ein Einrichtungsplaner und Angebote für Labore – Plandent-Geschäftsführer Kai Nierhoff und Stefan Kremer geben Ausblick auf das Geschäftsjahr 2024
23. Feb. 2024

Zecken und FSME: Hohe Fallzahlen für 2024 erwartet

Uni Hohenheim sieht Trends zu langfristig steigenden Fallzahlen, häufigeren „Zeckenjahren“ und eine hohe Dunkelziffer bei Infektionen
21. Feb. 2024

„Ein Leben ohne Handwerk ist nicht denkbar“

Die erste Frau an der Spitze der Handwerkskammer – „ladies dental talk“ am 20. März 2024 bereits zum 20. Mal in Frankfurt

Verwandte Bücher

  
Aylin Selcuk

Kroko & seine Zähne - Das Zahnputzbuch für Kinder

Eine Geschichte über Zähneputzen, Milchzähne und den Zahnarztbesuch

Implants Done Right

Your Guide to a Healthy Smile

Care Esthetics

A Healthy Way to Natural Facial Rejuvenation
Andreas Alt / Bernard C. Kolster

Du bist dein eigener Therapeut

Schulterschmerzen – Wie ich meine Beschwerden selbst in drei einfachen Schritten in den Griff bekomme
Andreas Alt / Bernard C. Kolster

Du bist dein eigener Therapeut

Sprunggelenksschmerzen – Wie ich meine Beschwerden selbst in drei einfachen Schritten in den Griff bekomme
Andreas Alt / Bernard C. Kolster

Du bist dein eigener Therapeut

Knieschmerzen – Wie ich meine Beschwerden selbst in drei einfachen Schritten in den Griff bekomme
Jan Stöhlmacher

Damit Vertrauen im Sprechzimmer gelingt

Ein persönlicher Wegweiser für Patienten und ihre Angehörigen
Andreas Alt / Bernard C. Kolster

Du bist dein eigener Therapeut

Nackenschmerzen – Wie ich meine Beschwerden selbst in drei einfachen Schritten in den Griff bekomme