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Dr. Martin Andree zum Placebo-Effekt: Informationen regen ähnliche Gehirnareale an wie Wirkstoffe

(c) Quintessence News/Strunk

„Es ist schon ziemlich cool, was in der Placebo-Power drinsteckt“, so Placebo-Forscher Dr. Martin Andree (Uni Köln und AMP Digital Ventures, Köln) zu Beginn seines Vortrags „Superkräfte der Kommunikation  – Wie Informationen auf Körper und Gehirn einwirken“ beim Kongress „Alles außer Zähne“ Mitte Januar 2024 in Düsseldorf (siehe hierzu auch den Beitrag „Megatrends – Unternehmenskultur weitergedacht“).

Der Placebo-Effekt werde nicht nur anhand von „Zuckerpillen“ ausgelöst, sondern auch durch Informationen. Der Referent wies darauf hin, dass dies mittels Gehirnscanner nachgewiesen werden könne: Informationen und Wirkstoffe regen ähnliche Gehirnareale an.

„Nur ein Viertel der Wirkung ist Molekül“

Andree stellte eine Studie vor, in der die Schmerzreduktion eines Verums („echtes“ Medikament) einem Placebo gegenübergestellt wurde. Auf einer Schmerzskala habe Placebo den Schmerz um 1,78 Punkte und das Verum um 2,48 Punkte reduziert. „Da würde ich als Placebo-Forscher sagen: Nur ein Viertel der Wirkung ist Molekül, drei Viertel ist in dem Fall semantisch? Schon ziemlich cool, was in der Placebo-Power steckt.“

Ein Logo kann Schmerzen reduzieren

In der Studie wurde auch der semantische Faktor „Logo“ (Aspirin) isoliert, um dessen Wirkung aufzuzeigen. Die Teilnehmer wurden in vier Gruppen aufgeteilt, Placebo und Verum jeweils mit und ohne Logo. Das Ergebnis: Die Schmerzreduktion betrug in der Gruppe Placebo ohne Logo 1,78 und mit Logo 2,18, bei der Gruppe Verum ohne Logo 2,48 und mit Logo 2,70. „Das Logo reduziert Schmerzen“, so Andree. „Egal, ob Sie das Logo auf das Placebo oder das Verum draufmachen, das Logo wirkt im Körper wie ein Molekül.“

Auch der Geschmack lässt sich beeinflussen

Der Placebo-Effekt funktioniere nicht nur bei Schmerzen. Der Referent stellte eine weitere Studie vor, bei der die Präferenz für einen Weißwein unter Studierenden der Önologie getestet wurde. „Das sind Leute, die sich mit nichts anderem als Wein beschäftigen“, betonte der Referent. Alle Gläser enthielten denselben Wein.

Dass die Preisangaben hier die Ergebnisse beeinflusst haben, war zu erwarten. Um auch den Einfluss auf den Geschmack zu testen, wurde eine Variante des Weißweins rot eingefärbt. Die Teilnehmenden sollten an den Gläsern unter anderem die verschiedenen Geschmacksrichtungen benennen. Für die Weißweine wurden unter anderem Honig, Litschi, Ananas, Zitrone, Pfirsich, Birne, Apfel genannt. Bei dem rot gefärbten Wein rochen die Fachleute Kirsche, Holz, Pflaume, Erdbeere, Lakritz, Johannisbeere und Pfeffer. „Machen Sie das mal mit Ihren Gästen – komisch, was die Profis dann alles riechen“, schlug Andree augenzwinkernd vor, der noch weitere Studien aus verschiedenen Bereichen vorstellte.

„Sie glauben an Moleküle?“ – Behandlung ohne Wissen

Werde ein Patient darüber informiert, dass der Infuser mit Schmerzmittel abgestellt werde, komme der Schmerz nach einiger Zeit wieder, so der Referent. Wisse der Patient dies allerdings nicht, seien Schmerzen oft kein Problem.

In einem solchen Versuchsaufbau sei ermittelt worden, wie viel Morphin gegeben werden muss, um auf den Äquivalentswert einer Placebo-Pille zu kommen. „Dieser Äquivalentswert ist 7 Milligramm.“ Er plädierte dafür, die Placebo-Forschung zu verstärken.

Kommunikation wirkt auch auf organische Systeme

„Es ist genau beschrieben, welche Areale im Gehirn durch Information beeinflusst werden. Aber wir akzeptieren es momentan nicht als einen aktiven Wirkfaktor in der Medizin.“ Andree forderte die Teilnehmer abschließend auf: „Kommen Sie aus diesem Tunnel raus. Denken Sie darüber nach, welche Power Sie als Arzt haben, was Sie mit all diesen Effekten bewirken können.“

Birgit Strunk, Quintessence News

 

Quelle: Quintessence News Fortbildung aktuell Patientenkommunikation Team Bunte Welt

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