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Skandinavische Innovation für die häusliche Anwendung kombiniert Mundspüllösung mit speziellem Licht und Wärme

Das Lumoral-Set mit Mundstück, Powerbank und Lumorinse-Tabletten zur Herstellung der Lösung.

(c) Oßwald-Dame

Es ist bekannt, dass der orale Biofilm eine große Rolle beim Management von Erkrankungen der Zähne und bei parodontalen Erkrankungen spielt und eine Wechselwirkung unter anderem auch zwischen Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht.1

Einer, der diesen Zusammenhang in seinem Berufsalltag erlebt, ist Prof. Tommi Pätilä, Herzchirurg und verantwortlich für Organtransplantation an der Universität Helsinki. 2016 musste er eine durch intraorale Bakterien ausgelöste schwere Herzinfektion operativ behandeln – Auslöser seiner Mission, alles dafür zu tun, den oralen Biofilm zu eliminieren beziehungsweise reduzieren. Da nach wie vor der mechanische Ansatz der Biofilmbekämpfung zielentscheidend im Management von Erkrankungen der Zähne und parodontalen beziehungsweise Biofilm-assoziierten Erkrankungen ist und das – von Prophylaxesitzungen in der zahnärztlichen Praxis abgesehen – in der häuslichen Mundhygiene stattfindet, gleichzeitig aber „mit mechanischen Mundhygienemaßnahmen häufig nicht das Niveau erreicht wird, das notwendig ist, um die parodontalen Erkrankungen zu vermeiden und/oder zu therapieren“2, setzt das von Pätilä und seinen Mitstreitern entwickelte Produkt genau hier an.

Ebenfalls in die Entwicklung floss ein, dass die Reinigungsdefizite häufig die Empfehlung der gezielten Anwendung von Spüllösungen als ergänzende Maßnahme nach sich ziehen, gleichzeitig sich dabei aber Nebenwirkungen wie Verfärbungen und Geschmacksirritationen nicht vermeiden lassen.

Die Anwendung

Das unter dem Namen Lumoral vor vier Jahren in Skandinavien auf den Markt gebrachte und seit einiger Zeit auch in Deutschland über die White Cross GmbH (Heidelberg) erhältliche Medizinprodukt der Klasse IIa mit CE-Zulassung fungiert als Ergänzung der häuslichen herkömmlichen Zahn- und Mundpflege und ist frei von Nebenwirkungen.

Lumoral besteht aus einem Mundstück, der Lumorinse-Mundspülung und einer Powerbank (Abb. 1). Zur Anwendung stellt der Patient aus einer Brausetablette und Wasser die Mundspülung selbst her und spült mit dieser für 60 Sekunden. Anschließend wird das an die Powerbank angeschlossene Mundstück zwischen den oberen und unteren Zahnbogen gelegt, der Mund vorsichtig geschlossen. Das Mundstück wird angeschaltet und damit 10 Minuten lang intraoral Licht appliziert. Anschließend schaltet sich das Licht automatisch ab. Danach putzt der Patient wie gewohnt seine Zähne mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta und entfernt dabei leicht seinen Zahnbelag (Abb. 2a-d).

Die Anwendungshäufigkeit von Lumoral richtet sich nach dem individuellen Risiko des Patienten: Je höher dieses ist, desto häufiger sollten die Anwendung und kürzer die Recall-Intervalle sein. Die vorgeschlagenen Behandlungsprotokolle unterscheiden zwischen präventiver (2x wöchentlich bei jährlichem Recall), therapeutischer (einmal täglich, Recall nach drei Monaten) und intensiv-therapeutischer Anwendung (zweimal täglich über vier Wochen).

Das Wirkprinzip

Lumoral wirkt, indem es gezielt die Bakterien des Biofilms abtötet. Die normale Mundflora bleibt dabei unversehrt und auch menschliche Zellen werden nicht geschädigt, da sie durch das zelleigene Enzym Katalase geschützt sind.

Die hohe antibakterielle Wirkung kommt durch die Lichtapplikation mittels einer patentierten Dual-Light-Methode zustande, die LED-Licht zweier verschiedener Wellenlängen (810 Nanometer und 405 Nanometer) im Lumoral-Gerät kombiniert. Dabei wird die bereits seit Jahren erfolgreiche antibakterielle photodynamische Behandlung (aPDT) durch die zusätzliche antibakterielle photothermische Blaulichttherapie (aBL) nochmals verstärkt (Abb. 3).
 
Eine wesentliche Rolle in der aPDT spielt hier der Sauerstoff: Der Photosensibilisator Indocyaningrün der Lumorinse-Mundspüllösung haftet zunächst auf dem Gewebe beziehungsweise Biofilm an. Durch die Absorption des Lichtes wird der Photosensibilisator in einen angeregten Zustand versetzt und überträgt diese Energie auf den umgebenden Sauerstoff. Dadurch bildet sich aktiver Singulett-Sauerstoff, der sich mit nahegelegenen Biomolekülen verbindet und dadurch Schäden an den Mikroorganismen hervorruft, sodass diese absterben (Abb. 3).

Abb. 4: Die Leuchtdioden des Mundstücks bestrahlen alle kritischen Flächen von bukkal und lingual mit Licht .
Abb. 4: Die Leuchtdioden des Mundstücks bestrahlen alle kritischen Flächen von bukkal und lingual mit Licht .
© Koite Health
Die beschriebenen bakterientötenden Eigenschaften von Lumoral werden durch die besondere (ebenfalls patentierte) Anordnung der LEDs im Mundstück nochmals erhöht. Diese sorgt dafür, dass die kritischen Flächen wie Interdentalräume und der Gingivalsaum/Sulkus ebenfalls direkt mit Licht von bukkal und lingual bestrahlt und behandelt werden (Abb. 4). Die Wirkweise von Lumoral wird durch die leichte, patentierte Wärmebildung im Löffel während der Lichtbestrahlung noch zusätzlich verstärkt.

Die Studienergebnisse

Wie bekannt, findet die photodynamische Therapie in der aktualisierten S3-Leitlinie zur Therapie periimplantärer Infektionen Beachtung, in der sie als adjuvante Therapie der nicht chirurgischen Periimplantitis-Behandlung beschrieben wird.3 Auch der Erfolg der Dual-Light-Methode ist bereits umfangreich untersucht worden: So wurde ihre Wirksamkeit als Zusatzbehandlung zur Plaquekontrolle jüngst in einer Studie bestätigt, die die Ergebnisse zur wiederholten (jeden 2. Tag) Anwendung über sieben Monate bei vorliegender Parodontalerkrankung Stadium IV untersuchte.4 Hier zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Mundhygiene, ein signifikanter Rückgang der infizierten Taschen und eine Verbesserung des klinischen Attachmentniveaus.

Eine weitere Studie bei Periimplantitis-Patienten unter häuslicher Lumoral Anwendung über vier Wochen zusätzlich zur normalen Mundhygiene verringerte die mikrobielle und entzündliche Belastung (Reduzierung des aMMP-8 Wertes) periimplantär sehr vielversprechend.5

Eine andere Studie untersuchte die Empfindlichkeit des Biofilms von Streptococcus mutans gegenüber aPDT, aBL oder der gleichzeitigen Exposition mit aPDT und aBL6: Bei einem eintägigen Biofilm war die duale Methode signifikant effizienter als aBL oder aPDT, obwohl alle Modalitäten bakterientötend waren. Gleichzeitig zeigte sich, dass bei wiederholter Lichtapplikation auf den S. mutans-Biofilm eine alleinige aBL- oder aPDT-Exposition zu einer signifikanten Biofilm-Adaptation und einer erhöhten Lebensfähigkeit von S. mutans führt. Der kombinierte Einsatz von aBL mit aPDT stoppte die Adaptation und sorgte für eine deutlich verbesserte und anhaltende antibakterielle Wirksamkeit.
 
Auch die Zwischenergebnisse der aktuell größten randomisierten Parodontitis-Studie in Europa7 bestätigen, dass Lumoral die Ergebnisse der Goldstandard-Behandlung von Parodontalerkrankungen deutlich verbessern kann: Bereits drei Monate nach nicht-chirurgischer Parodontalbehandlung mit standardisierten Hygieneanweisungen und elektrischer Zahnbürste sowie Scaling und Wurzelglättung (NSPT) oder NSPT mit zusätzlicher Lumoral-Behandlung war der BOP-Index (Bluten auf Sondieren) in der NSPT+Lumoral-Gruppe geringer als in der NSPT-Gruppe, und bei mehr Patienten in der NSPT+Lumoral-Gruppe lag der BOP unter 10 Prozent (52 Prozent gegenüber 29 Prozent). Die Teilnehmer, die Lumoral verwendeten, wiesen eine signifikant geringere Menge an Plaquebildung auf, während die Menge an Plaque bei den Probanden der Kontrollgruppe unverändert blieb. Beide Gruppen reduzierten die Anzahl der tiefen parodontalen Taschen signifikant, aber in der NSPT+Lumoral-Gruppe fanden sich mehr Patienten mit einer Reduzierung der Anzahl tiefer Taschen (92 Prozent vs. 63 Prozent). Patienten, deren Anzahl der tiefen Taschen um 50 Prozent oder mehr reduziert wurde, waren ebenfalls häufiger in der NSPT+Lumoral-Gruppe (70 Prozent vs. 33 Prozent).

Prof. Dr. Werner Birglechner, Heidelberg

Foto: PraxisDienste Institut für Weiterbildung
Prof. Dr. Werner Birglechner studierte von 1987 bis 1992 Zahnmedizin in Heidelberg und war danach als Assistenzzahnarzt an der Akademie für zahnärztliche Fortbildung in Karlsruhe tätig, bevor er 1995 in die Dentalindustrie wechselte. Von 2001 bis 2017 war er Geschäftsführer der PraxisDienste Fortbildungs GmbH/Education Network Heidelberg GmbH und seit 2007 bis heute ist er Geschäftsführer und Leiter PraxisDienste Institut für Weiterbildung der White Cross GmbH sowie seit 2018 Vorstand der Medicus Education Heidelberg AG.

Birglechner absolvierte Studien zum Bachelor und Master of Business Administration und war als Geschäftsführender Gesellschafter der Trägergesellschaft und der ZMZ Management GmbH von 2012 bis 2017 an der PraxisHochschule Köln aktiv. Von 2014 bis 2017 hatte er eine Professur für Marketing im Gesundheitswesen an der PraxisHochschule inne, seit Oktober 2022 bis heute eine Professur für Dentalhygiene an der Diploma Hochschule.

In Deutschland wird Lumoral über die White Cross GmbH, Heidelberg, vertrieben (E-Mail: info@lumoral.de). Wer als Professional das Produkt testen möchte, kann auf der Internetseite ein kostenloses (bitte Teilnahmebedingungen beachten) Experten:innen Kit anfodern. Das Kit ist auch für einen Selbsttest zu einem stark reduzierten Preis bestellbar.

Literatur

[1] Dommisch, H.; Moter, A.; Kuzmanova, D. Parodontitis und der orale Biofilm – von der lokalen zur systemischen Erkrankung. Quintessenz 12/2020 und Quintessence News, 17. März 2023. Abruf am 16.02.2023 unter https://www.quintessence-publishing.com/deu/de/news/zahnmedizin/-/parodontitis-und-der-orale-biofilm-von-der-lokalen-zur-systemischen-erkrankung

[2] S3-Leitlinie. Häusliches chemisches Biofilmmanagement in der Prävention und Therapie der Gingivitis. AWMF-Registernummer: 083-016. Abruf am 8.11.2023 unter https://register.awmf.org/assets/guidelines/083-016l_S3_Haeusliches-chemisches-Biofilmmanagement-Praevention-Therapie-Gingivitis_2021-02.pdf

[3] S3-Leitlinie. Die Behandlung periimplantärer Infektionen an Zahnimplantaten. AWMF-Registernummer 083-023. Abruf am 8.11.2023 unter https://www.dginet.de/wp-content/uploads/sites/4/2023/08/Leitlinie-Periimplantitis-2023.pdf

[4] Trujiilo, K.; Räisänen, I.T.; Sorsa, T.; Pätilä, T. Repeated Daily Use of Dual-Light Antibacterial Photodynamic Therapy in Periodontal Disease—A Case Report. Dent. J. 2022, 10, 163. https://doi.org/10.3390/dj10090163

[5] Lähteenmäki, H.; Pätilä, T.; Räisänen I.T.; Kankuri, E.; ervahartiala, T.; Timo Sorsa T. Repeated Home-Applied Dual-Light Antibacterial Photodynamic Therapy Can Reduce Plaque Burden, Inflammation, and aMMP-8 in Peri-Implant Disease—A Pilot Study. Curr. Issues Mol. Biol. 2022, 44(3), 1273-1283; https://doi.org/10.3390/cimb44030085

[6] Nikinmaa, S.; Alapulli, H.; Auvinen, P.; Vaara, M.; Rantala, J.; Kankuri, E.; Sorsa, T.; Meurman, J.; Pätilä, T. Dual-light photodynamic therapy administered daily provides a sustained antibacterial effect on biofilm and prevents Streptococcus mutans adaptation. Plos One, May 6,2020. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0232775

[7] Pakarinen, S.; Saarela, R.K.T.; Välimaa, H.; Heikkinen, A.M.; Kankuri, E.; Noponen, M.; Alapulli, H.; Tervahartiala, T.; Räisänen, I.T.; Sorsa, T.; et al. Home-Applied Dual-Light Photodynamic Therapy in the Treatment of Stable Chronic Periodontitis (HOPE-CP)—Three-Month Interim Results. Dent. J. 2022, 10, 206. https://doi.org/10.3390/dj10110206
 

Quelle: Quintessence News Parodontologie Prävention und Prophylaxe Zahnmedizin Praxis Team

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