0,00 €
Zum Warenkorb
  • Quintessence Publishing Deutschland
Filter
2452 Views

KZVB: „Ein schwarzer Tag für die Patienten“ – vor allem Praxen in ländlichen Regionen betroffen

(c) zhu difeng/Shutterstock.com

Bei der AOK Bayern wird es 2023 zu massiven Budgetüberschreitungen im Bereich der Zahnmedizin kommen. Das teilt die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns (KZVB) mit. Die zahnmedizinische Versorgung der rund 4,6 Millionen AOK-Versicherten sei dadurch akut gefährdet. Zugleich fällt die AOK Bayern damit in Zustände zurück, wie sie bis zur weitgehenden Entbudgetierung bis 2013 üblich waren. Damals rief die KZVB vor allem für die AOK zum Jahresende immer wieder sogenannte Budgetspartage aus.

„Während andere Krankenkassen sehr wohl ausreichend Mittel für die Versorgung ihrer Versicherten bereitstellen, sah sich die AOK Bayern dazu nicht in der Lage. Die Verhandlungen zwischen der KZVB und der AOK Bayern wurden abgebrochen“, so die KZVB. „Gestern musste ein Landesschiedsamt über die Höhe der zahnärztlichen Vergütung entscheiden. Punktwert- und Budgeterhöhungen sind durch das von Karl Lauterbach verfasste GKV-Finanzstabilisierungsgesetz auf 2,7 Prozent begrenzt. Das reicht jedoch nicht einmal annähernd für den Inflationsausgleich“, bewertet die KZVB die Situation.

Verschärfend komme hinzu, dass 2023 deutlich mehr Parodontitisbehandlungen durchgeführt wurden als in den Vorjahren – auch bei den Versicherten der AOK Bayern. Auf die bayerischen Vertragszahnärzte kommen nun laut KZVB Rückforderungen in zweistelliger Millionenhöhe zu.

Größte bayerische Krankenkasse

Dr. Rüdiger Schott, Vorsitzender des Vorstands der KZVB, erklärte dazu: „Der 4. Dezember war ein schwarzer Tag für die Patienten. Wenn die größte in Bayern tätige Krankenkasse die Behandlungen ihrer Versicherten nicht vollständig finanzieren will, wird das nicht ohne Folgen bleiben. Für begrenzte Mittel kann es nur begrenzte Leistungen geben. Die AOK Bayern sollte sich ein Beispiel an den Ersatzkassen und den Betriebskrankenkassen nehmen, die alle notwendigen Leistungen mit den vereinbarten Punktwerten vergüten.“

Rückzahlungen treffen vor allem Landpraxen

Seine Stellvertreterin Dr. Marion Teichmann sieht damit auch die Praxisstrukturen und die Versorgung auf dem Land gefährdet. „Die Millionen-Rückzahlungen bei der AOK Bayern sind für viele Praxen existenzgefährdend. Gerade im ländlichen Raum hat diese Krankenkasse einen sehr hohen Marktanteil. Einige Praxen behandeln bis zu 80 Prozent AOK-Versicherte. Deren Behandlung könnte nun in vielen Fällen nicht mehr wirtschaftlich sein. Die Versorgungslandschaft wird sich deshalb weiter ausdünnen. Schon jetzt finden viele Alterspraxen keinen Nachfolger mehr. Für die Patienten bedeutet das: Lange Wartezeiten und weite Wege für einen Zahnarzttermin.“

Lange Wartezeiten auf Termine

Auch das Vorstandsmitglied Dr. Jens Kober kritisiert die AOK scharf für ihre Verhandlungspolitik. Sie entziehe sich ihrer Verantwortung für die Sicherstellung der flächendeckenden, zahnmedizinischen Versorgung. „Es droht nun eine echte Zwei-Klassen-Medizin. Die Patienten in den Großstädten werden leichter einen Zahnarzttermin bekommen. Auf dem Land aber gehen versorgungstechnisch nach und nach die Lichter aus. Die Verweigerungshaltung dieser Krankenkasse ist ein fatales Signal an unseren zahnärztlichen Nachwuchs. Niemand wird sich für die Gründung oder Übernahme einer Praxis entscheiden, wenn die erbrachten Leistungen nicht in vollem Umfang vergütet werden.“

AOK Bayern fällt in alte Muster

Bis 2013 trafen sich die KZVB und die AOK Bayern immer wieder vor dem Schiedsamt und vor den Sozialgerichten, weil die Kasse fast durchweg zu wenig Mittel für die zahnärztliche Versorgung ihrer Versicherten bereitstellte. Teilweise wurden schon im Herbst die „Budgetspartage“ für die bayerischen Praxen angekündigt, weil die von der AOK Bayern bereitgestellten Gelder für eine normale zahnärztliche Versorgung der dort versicherten Patienten nicht mehr ausreichten. Dann sollten nur noch dringend notwendige Behandlungen durchgeführt werden.

Mit der Aufhebung der strikten Budgetierung und der Einführung der Morbiditätsentwicklung als wichtiger Kennzahl für die Vergütungsvereinbarungen mit den Krankenkassen endete diese Situation. Jetzt wurde die Budgetierung mit dem GKV-Finanzstabilisierungsgesetz für 2023 und 2024 wieder vorgegeben.

Reference: Politik Nachrichten Praxis

AdBlocker active! Please take a moment ...

Our systems reports that you are using an active AdBlocker software, which blocks all page content to be loaded.

Fair is fair: Our industry partners provide a major input to the development of this news site with their advertisements. You will find a clear number of these ads at the homepage and on the single article pages.

Please put www.quintessence-publishing.com on your „adblocker whitelist“ or deactivate your ad blocker software. Thanks.

More news

  
28. Feb 2024

„Patientinnen und Patienten sind Experten in eigener Sache“

„Erfahrungswissen von Patienten und Ärzten nutzen“, richtig Rahmenbedingungen schaffen – Bundesärztekammer zum „Jahr der Patientenbeteiligung“
27. Feb 2024

Zeit für Patientinnen und Patienten läuft ab

„Keine Gesundheit ohne Mundgesundheit“: KZBV drängt Lauterbach mit offenem Brief zum Handeln
26. Feb 2024

„Ein Material allein wird Amalgam nicht ersetzen können“

Amalgam-Verbot auf der Zielgeraden – Antrag auf Ausnahmeregelung offen, Gespräche und Suche nach Lösungen laufen
26. Feb 2024

Kurz und knapp

Kurznachrichten und Informationen aus der (dentalen) Welt – Februar 2024
23. Feb 2024

Fluoridlack für alle Kinder unter sechs Jahren hilft, ECC zu vermeiden

Die Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnmedizin (DGKiZ) begrüßt erweiterte Fluoridierungsleistung
23. Feb 2024

Gelten GOÄ und GOZ auch für MVZ – oder nicht?

Rechtsprechung ist uneins bei der Anwendung der GOÄ und GOZ auf juristische Personen – eine Analyse von Dr. K.-H. Schnieder und Ref. Sönke Griebenburg
19. Feb 2024

„Reform gesagt“ ist nicht „Reform gemacht“

Vom roten Teppich in die harte Realität und den Risiken der „neuen ePA“ – Dr. Uwe Axel Richter über die „Karlinale“
19. Feb 2024

„Wir können uns keine Zahnärztinnen und Zahnärzte ‚backen‘!“

Massive Versorgungslücke bis 2030: mehr als 500.000 Menschen in Sachsen-Anhalt ohne Zahnarzt