0,00 €
Zum Warenkorb
  • Quintessence Publishing Deutschland
Filter
2697 Views

RA Alexander Bredereck zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen für krankgeschriebene Arbeitnehmer

(c) Dragana Gordic/Shutterstock.com

Natürlich ist es nicht verboten, lange oder häufig krank zu sein, wie es Medienberichte oft plakativ andeuten. Wer wegen einer Erkrankung nicht arbeiten kann, ist so lange, wie vom Arzt verordnet, arbeitsunfähig krankgeschrieben.

Grundsätzlich gilt: Sechs Wochen lang bekommt der Arbeitnehmer die volle Entgeltfortzahlung. Falls er danach wegen einer anderen Krankheit arbeitsunfähig wird, kann es sein, dass der Arbeitgeber weitere sechs Wochen Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall zahlt. Bei längeren Erkrankungen gibt es Krankengeld, danach gegebenenfalls Rente oder Leistungen wegen Arbeitslosigkeit.

Langanhaltende Erkrankungen mit negativer Gesundheitsprognose

Man unterscheidet häufige Kurzzeiterkrankungen (meist, wenn der Arbeitnehmer häufig am Freitag und Montag fehlt oder nach dem Urlaub) von langanhaltenden Erkrankungen, verbunden mit einer negativen Gesundheitsprognose.

RA Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht
RA Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht
Im letztgenannten Fall ist eine krankheitsbedingte Kündigung denkbar, wenn der Arbeitnehmer drei Jahre hintereinander jeweils mehr als sechs Wochen, also länger als die Dauer der Entgeltfortzahlung, krankgeschrieben ist. Es ist aber noch lange nicht sicher, dass die Kündigung vor Gericht Bestand haben wird. Der Arbeitgeber muss weitere Voraussetzungen erfüllen, beispielsweise ein ordnungsgemäß durchgeführtes betriebliches Eingliederungsmanagement.

Auch kann der Arbeitnehmer einwenden, dass es für ihn eine positive Gesundheitsprognose gibt, etwa weil er an einer ärztlich verschriebenen Therapie oder Rehabilitationsmaßnahme teilnimmt. Auch dann ist die Kündigung regelmäßig unwirksam.

Häufige Kurzzeiterkrankungen gehen meist zulasten der Arbeitnehmer

Heikler sind da schon die häufigen Kurzzeiterkrankungen. Ein Kündigungsgrund kann bereits vorliegen, wenn man damit sechs Wochen im Jahr noch nicht erreicht hat. Wer immer wieder tageweise fehlt, beeinträchtigt nämlich den Betriebsablauf erheblich mehr, als ein langzeiterkrankter Kollege. Gerichte werten das regelmäßig bei der Interessenabwägung zulasten des Arbeitnehmers.

Allerdings gilt auch hier, dass für die Wirksamkeit der Kündigung eine negative Gesundheitsprognose grundsätzlich gegeben sein muss. Ist in absehbarer Zeit mit einer baldigen Besserung zu rechnen, würde der Arbeitgeber mit seiner Kündigung vor dem Arbeitsgericht regelmäßig scheitern. Beruhen die Fehlzeiten allerdings auf unterschiedlichen Erkrankungen, wird der Arbeitnehmer sich auf eine positive Gesundheitsprognose regelmäßig nicht stützen können.

Zwar wird sich eine Kündigungsschutzklage für den anwaltlich vertretenen Arbeitnehmer auch hier erfahrungsgemäß meist lohnen. Nur sind die Klageaussichten, und damit die erreichbare Abfindung, im letztgenannten Fall meist nicht so eindeutig beziehungsweise so hoch wie etwa bei der Langzeiterkrankung.

Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht, (Kanzlei Bredereck und Willkomm, www.fernsehanwalt.com), Berlin

Reference: Team Praxisführung

AdBlocker active! Please take a moment ...

Our systems reports that you are using an active AdBlocker software, which blocks all page content to be loaded.

Fair is fair: Our industry partners provide a major input to the development of this news site with their advertisements. You will find a clear number of these ads at the homepage and on the single article pages.

Please put www.quintessence-publishing.com on your „adblocker whitelist“ or deactivate your ad blocker software. Thanks.

More news

  
1. Mar 2024

„Der Mund ist nicht nur eine ,große Klappe‘ mit Zähnen“

DH Ester Hoekstra stellt den Studiengang Master of Science Psychologische und Komplementäre Medizin vor
29. Feb 2024

„Menschen, die miteinander arbeiten, müssen auch miteinander reden“

Dental Minds #11: Sybille David-Hebgen über die Folgen schlechter Kommunikation und wie sich Konflikte unter Kolleginnen und Kollegen lösen lassen
29. Feb 2024

Jugendliche für den ZFA-Beruf begeistern

BLZK startet neuen Instagram-Kanal Mission ZFA – weitere Kanäle werden mittelfristig folgen
29. Feb 2024

Der lange Weg zur Diagnose

Seltene Krankheiten: Es bedarf eines interdisziplinären Teams sowie häufig umfangreicher genetischer Untersuchungen
28. Feb 2024

Verfassungsorden für Zahnarzt mit mobilem Behandlungskonzept

Bayern zeichnet Dr. Volkmar Göbel und das Team von Dentagil für Versorgung nicht-mobiler Patienten aus
28. Feb 2024

Politischer Stillstand beim Kinderschutz?

Ein Jahr nach Ankündigung: Verbände warnen vor Scheitern des Kinderlebensmittel-Werbegesetzes
28. Feb 2024

„Solidarität zwischen ZFA und MFA wäre denkbar“

Sylvia Gabel: Arbeitgeber und Gewerkschaften sollten zusammenarbeiten, um faire Arbeitsbedingungen zu gewährleisten, MFA und ZFA ihre Interessen gemeinsam vertreten
27. Feb 2024

Wichtige Basics für den Start in die Ausbildung

Der Azubiknigge gibt Tipps für Berufsanfänger – Regeln sind nicht spießig, solange sie Klarheit schaffen

Related books

  
Aynur Durali

Meine Zahnarztpraxis läuft

Tipps und Tricks zur Gewinnsteigerung
Christian Henrici / Bernd Halbe (Editor)

Mein Beruf – meine Zukunft

Kriterien einer Entscheidungsfindung – angestellt oder selbstständig?
Peter Fischer

10 Rücken-Fit-Basics für das zahnärztliche Team

10 einfache Schritte für Ihre dauerhafte Rückengesundheit
Andreas Filippi / Tuomas Waltimo (Editor)

Speichel

Ein Nachschlagewerk für Zahnärzte, Hausärzte, Kinderärzte, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Dentalhygienikerinnen, Zahnmedizinische Prophylaxe- und Fachhelferinnen, Logopäden sowie Studierende der Medizin und Zahnmedizin