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Zahnmedizinische Hilfe international: Großes Interesse an Hilfsprojekten nach der Corona-Pause

Behandeln mitten im Urwald: die Zahnstation der Monkey Jungle Clinic, Nähe Puerto Plata in der Dominikanischen Republik.

(c) Bauer/DIANO

Nach der coronabedingten Pause können die zahnärztlichen Hilfsorganisationen derzeit einen Run auf die Plätze für Famulaturen und Auslandseinsätze vermelden. Manche werden regelrecht überrannt und können sich vor Anfragen kaum retten. Vor allem für Studierende und junge Absolventen ist so ein Einsatz ein ganz besonderer Abschnitt im noch jungen beruflichen Leben: Endlich kann das Gelernte in der Praxis eingesetzt werden!

In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl Auslandsfamulaturen junger Zahnmedizinstudentinnen und -studenten mehr als verdoppelt – bis Anfang 2020 ging die Zahl der Anfragen immer nur nach oben. Der Beginn der Pandemie hatte dieser Tendenz ein sehr abruptes Ende gesetzt. Nicht wenige von Deutschland aus betreute Projekte kamen erst einmal vollständig zum Erliegen. Dennoch gelang es vielen Organisationen, die über Jahre aufgebauten Einrichtungen aus der Ferne am Laufen zu halten.

Im März 2020 war der Flugbetrieb teilweise völlig eingestellt worden, viele Länder waren vollkommen gesperrt für ausländische Besucher. Jetzt sind diese Barrieren nach und nach wieder aufgehoben worden.

Doppeltes Risiko in medizinisch unterversorgten Regionen

Allerdings sind längst noch nicht alle Regionen in vielen Ländern wieder frei zugänglich, so dass immer noch mit Einschränkungen zu rechnen ist. Das betrifft vor allem weit abgelegene und chronisch unterversorgte Regionen mit einer völlig unzureichenden medizinischen Ausstattung. Hier kann sich auch ein noch so gut gemeinter Besuch von außerhalb durch das mögliche Einschleppen von Krankheitserregern als besonders fatal erweisen. Allerdings sind die Einsatzgruppen im Falle einer Ansteckung genauso gefährdet, denn weit und breit gibt es keine angemessene Versorgungsmöglichkeit, so dass für Besucher das potentielle Risiko nicht minder groß ist.

Auch Sicherheitsprobleme immer noch gegeben

Während in vielen Ecken dieser Erde deutliche Anzeichen in Richtung einer Rückkehr zur Normalität erkennbar ist, gibt es immer noch sehr viele Regionen, die als sehr unsicher gelten, nicht zuletzt durch nicht zuverlässige offizielle Angaben. Von daher liegt es letztlich doch an einem selbst, sich sehr genau über die Lage im möglichen Zielgebiet zu informieren.

Eine weitere Einschränkung der Reisemöglichkeiten ist der Umstand, dass sich die Sicherheitslage in vielen Ländern, vor allem in Afrika, dramatisch verschlechtert hatte – und dies wirkt sich ebenfalls auf die Planungen aus. Andererseits gibt es gerade auf diesem Kontinent Regionen, die immer offengeblieben sind und dementsprechend auch bereist werden konnten. Ähnlich sieht es in Mittel- und Südamerika aus, auch hier kam eine ganze Reihe von Ländern relativ glimpflich durch die Pandemie, zumindest wenn man den offiziellen Verlautbarungen folgt.

Einsatz in San Pedro in der Dominikanischen Republik
Einsatz in San Pedro in der Dominikanischen Republik
Foto: Bauer/DIANO

Weniger Flugverbindungen, hohe Preise

Ein weiteres Problem für Freiwilligeneinsätze war das deutlich reduzierte Angebot an Flügen, wobei viele Strecken überhaupt nicht mehr bedient wurden. Somit waren viele Stationen schlicht nicht mehr erreichbar. Doch diese Zeiten sollten nun der Vergangenheit angehören. Vielerorts ist eine regelrechte Aufbruchsstimmung zu erkennen und dementsprechend können es viele kaum noch erwarten, endlich am lange ersehnten Auslandseinsatz teilzunehmen.

Es ist nur zu verständlich, dass das Berufsziel der zahnärztlichen Tätigkeit hilft, auch die nicht ganz so tollen Seiten des Studiums gut hinter sich zu bringen. Genau dieser Aspekt wurde durch die Pandemie nochmals deutlich verstärkt, und so hat sich ein enormes Verlangen entwickelt, endlich wieder richtig zu reisen und gleichzeitig zahnärztlich tätig zu sein. Corona hat auch bei den persönlichen Wertevorstellungen vieles verändert, und vor dem Hintergrund der für lange Zeit aufgeschobenen Wünsche wird der Einsatz oft deutlich rosiger gesehen und die damit verbundenen Mühen treten merklich in den Hintergrund.

Höhere Ansprüche an die Organisationen

Gleichzeitig sind die Ansprüche ebenfalls deutlich gewachsen. Die Anfragen, die die Hilfsorganisationen erreichen, sind wesentlich gezielter, genauso wie die Anforderungen, die an Hilfsorganisationen gestellt werden. Von Seiten der Hilfsorganisationen sieht dies kaum anders aus. Paradigmen wurden in der Zwangspause überarbeitet und präzisiert, wobei sich an den bisher schon strengen Regeln hinsichtlich Nachhaltigkeit, Verantwortungsbewusstsein und die Berücksichtigung ethischer Grundsätze im Wesentlichen nichts geändert hat. Die individuelle Behandlung jeder einzelnen Anfrage rückt aber immer mehr in den Vordergrund.

Auch über die Pandemie hinweg hat sich die Erkenntnis erhalten, dass Auslandseinsätze fachlich, genauso wie für die Persönlichkeitsentwicklung sehr lohnenswert sind, zumal die „Rückkehrer“ durchweg über positive Eindrücke berichten. Wenn man „nebenbei“ noch fremde Gegenden und Kulturen kennenlernt, vor allem in Regionen, die ansonsten weit außerhalb des Mainstreams liege, dürfte dies ein weiterer wichtiger Grund für die Reisebegeisterung sein.

Erfahrungsberichte wichtigste Informationsquelle

Tobias Bauer gibt auf dem Stand der Hilfsprojekte beim Deutschen Zahnärztetag 2019 Auskunft zu Famulaturen und Hilfseinsätzen.
Tobias Bauer gibt auf dem Stand der Hilfsprojekte beim Deutschen Zahnärztetag 2019 Auskunft zu Famulaturen und Hilfseinsätzen.
Foto: Quintessence News
Die wichtigste Informationsquelle über Arbeitseinsätze im Ausland sind die Erfahrungsberichte. Dazu richten die studentischen Fachschaften regelmäßig Famulaturabende aus, so dass die angehenden Zahnärztinnen und Zahnärzte zweifellos am besten informiert sein dürften. Alle zwei Jahre gibt es im Rahmen der internationalen Dental-Schau IDS ein Forum für Hilfsorganisationen, organisiert von der Bundeszahnärztekammer.

Eine weitere Möglichkeit, sich aus erster Hand zu informieren, ist die Vorstellung der Hilfsorganisationen im Rahmen des Deutschen Zahnärztetages. Selbst in Zeiten der Pandemie bot sich bei diesem Anlass die Möglichkeit, sich selbst einen Überblick der aktuellen an Einsatzmöglichkeiten zu verschaffen. Dieses Angebot wird sehr gerne angenommen. Dazu gibt es das 2019 erschienene Handbuch der Hilfsorganisationen, herausgegeben vom Quintessenz Verlag, das als pdf beim Verlag erhältlich ist (Bestellung per E-Mail)

Anhand dieser Optionen ergibt sich ein repräsentatives Bild der Projektarbeit der Hilfsorganisationen. Regelmäßig sind Organisationen aus Süd- und Mittelamerika und aus Afrika und Asien vertreten. Und in genau diese Regionen zieht es den überwiegenden Teil der Freiwilligen.

Die ersten Freiwilligen herzlich begrüßt

Zu bedenken ist allerdings, dass es derzeit noch nicht wieder in allen Winkeln der Erde rund läuft, viel mehr Initiative und Improvisationskunst gefragt ist und so manche Geduldsprobe gilt es zu überstehen. Dafür wurden die ersten Freiwilligengruppen, die sich nach der langen Coronapause wieder aufgemacht hatten, mehr als überschwänglich empfangen. Der Ansturm von Patienten ist gewaltig und für die überwiegend jungen Kolleginnen und Kollegen, aber die Seniorinnen und Senioren, die genauso die neu gewonnene Freizügigkeit in Sachen Weltreisen ausschöpfen, bedeutet dies sehr viel Arbeit.

Drei bis sechs Monate Vorlaufzeit einrechnen

Wer sich allerdings jetzt noch für einen Auslandseinsatz im Sommer interessiert, sollte sich beeilen. Die Vorlaufzeit beträgt in der Regel drei bis sechs Monate, im Einzelfall auch länger. Viele Plätze sind lange im Voraus vergeben worden, doch immer wieder kommt es zu kurzfristigen Absagen. Von daher könnte es bei entsprechendem Interesse durchaus sinnvoll sein, jetzt noch eine Anfrage zu starten. Zu sehr auf ein Land oder eine Region fixiert sein sollte man dabei nicht, vielmehr ist Flexibilität gefragt.

Gute Chancen für erfahrene Zahnärzte und Zahntechniker

Im Gegensatz zu Studierenden haben berufserfahrene Zahnärztinnen und Zahnärzte ganz gute Chancen, noch ein Plätzchen zu finden. Auch Zahntechnikerinnen und Zahntechniker sind immer heiß begehrt, oftmals genießen sie als Zauberer des Lächelns noch viele weitere Vorteile im Rahmen eines Einsatzes in einem fremden Land.

Neue Einsatzmöglichkeiten für Teams

Nebeneffekt des nochmals gestiegenen Interesses, Freiwilligengruppen zu aufzunehmen, ist, dass sich ganz neue Türen öffnen und sich damit neue Einsatzmöglichkeiten auftun. Eine Tendenz zum Beispiel ist, dass sich ganze Teams für einen Einsatz bereitfinden. Stets begehrt, aber zunehmend ins Bewusstsein gerückt ist das Interesse von Zahntechnikerinnen und Zahntechnikern, die in jedem Team, aber auch als Einzelreisende enormes Ansehen genießen.

Sprich: Es gibt neue Formen der Kooperation und die neuen Einsatzorte liegen nicht an den schlechtesten Stellen. Ganz gleich, ob Afrika oder Lateinamerika, die Karibik oder der Himalaya: Wer Remmi-Demmi sucht, wird hier vielleicht nicht so glücklich. Dafür gibt es Natur pur. Die nächste Stadt ist viele Kilometer entfernt, dafür liegt die Zahnarztdichte bei 1:50 000 und mehr: Eine Inspiration, die das Potenzial hat, sich möglicherweise dauerhaft zu einer völlig neuen Work-Life Balance zu entwickeln?

Tobias Bauer, Singen

 

Quelle: Quintessence News med.dent.magazin Bunte Welt Zahntechnik

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